Lesung in Rostock: Res Sigusch liest aus Roman über psychische Erkrankungen und gesellschaftliche Spaltung
Lesung: Res Sigusch liest über psychische Erkrankungen und Gesellschaft

Lesung im Literaturhaus Rostock: Ein Roman über unsichtbare Nöte

Am 13. März findet im Rostocker Literaturhaus, das im Peter-Weiss-Haus beheimatet ist, eine besondere Lesung statt. Die Autorin Res Sigusch präsentiert ab 19 Uhr ihren aktuellen Roman „Unbegründete Ängste“. Das literarische Werk wirft einen einfühlsamen Blick auf psychische Erkrankungen und deren Spiegelung in der öffentlichen Wahrnehmung.

Ein Protagonist zwischen Muskel und Verletzlichkeit

Im Mittelpunkt des Romans steht Christian Lotz, ein schwuler Fitnesstrainer in den Dreißigern, der in einer sächsischen Kleinstadt lebt. Äußerlich verkörpert er Stärke und Körperkult, innerlich leidet er jedoch unter massiven sozialen Ängsten, die sich im Kontext politischer Spannungen vor Landtagswahlen verstärken. „Christian ist ein klassischer Muskeltyp, dem die innere Zerbrechlichkeit nicht auf den ersten Blick anzusehen ist“, erklärt Sigusch die vielschichtige Figur.

Multiperspektivische Erzählung und gesellschaftliche Reflexion

Sigusch, die non-binär ist und die Pronomen „dey“ und „demm“ bevorzugt, erzählt bewusst aus verschiedenen Blickwinkeln. „Christian kommt nicht nur selbst zu Wort, sondern verschwindet in der Buchmitte beinahe in den Beschreibungen von außen“, beschreibt die Autorin ihren literarischen Ansatz. Damit möchte sie Lesende in eine Haltung des Dazwischen führen und zeigen, wie anlasslos Panikmache und Ausgrenzung oft sind.

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Die 30-jährige Autorin, die ein Musikgymnasium in Zwickau besuchte und in Berlin sowie Hildesheim studierte, thematisiert in ihrem zweiten Roman:

  • Die Unsichtbarkeit psychischer Erkrankungen wie Panikattacken
  • Subtile Ausgrenzungsmechanismen in vermeintlich starken Umgebungen
  • Die Suche nach Gemeinschaft in Zeiten multipler Krisen
  • Generationenkonflikte und politische Anspannungen

Gesellschaftliche Ursachen und fehlende Selbstreflexion

Sigusch sieht die zunehmende Zahl von Angststörungen in Deutschland in einer „Multi-Krise“ begründet, die Klimawandel, Pandemie-Nachwirkungen, Inflation und Zukunftsängste umfasst. „Es hat manchmal den Anschein, dass sich viele Menschen damit einfach nicht beschäftigen wollen“, so die Autorin. „Ihnen fehlt die Fähigkeit und die Zeit zur emotionalen Selbstreflexion.“

Besonders im Osten Deutschlands, wo Psychotherapeuten nach wie vor rar sind, fehlen oft die Ressourcen für solche Reflexionsprozesse. Dennoch zeigt der Roman auch Hoffnungsschimmer durch kleine Gesten der Solidarität wie Zuhören und Perspektivwechsel.

Ein Abend der Zwischentöne und Empathie

Die Lesung verspricht einen Abend voller Nuancen und emotionaler Tiefe. Sigusch, die früher rauchte und heute strickt sowie ins Fitnessstudio geht, stellt Empathie in den Mittelpunkt ihrer literarischen Arbeit. Besucher können sich auf eine multiperspektivische Erkundung psychischer Gesundheit und gesellschaftlicher Zusammenhänge freuen, die weit über einfache Schwarz-Weiß-Malerei hinausgeht.

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