Schriftsteller Peter Schneider mit 85 Jahren verstorben
Der bedeutende deutsche Schriftsteller Peter Schneider ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln unter Berufung auf die Familie des Autors mitteilte, verstarb Schneider bereits am Dienstag. Der Verlag würdigte ihn als loyalen Freund, wachen Geist und großen Stilisten.
Ein vielseitiges literarisches Werk
Peter Schneider, der in Lübeck geboren wurde und in Berlin lebte, galt als hellsichtiger Essayist und vielseitiger Autor, der sich in verschiedenen literarischen Gattungen zu Hause fühlte – von der Erzählung über den Roman bis hin zum Drehbuch. Über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahrhundert beschäftigte er sich regelmäßig mit gesellschaftspolitischen Themen in seinen Werken.
Bekannt wurde Schneider vor allem durch seine Erzählung „Lenz“ aus dem Jahr 1973, die für die Generation der 68er zu einer identitätsstiftenden Lektüre wurde. In diesem Werk setzte sich der Autor kritisch mit den Illusionen von Intellektuellen und Künstlern über ihre gesellschaftliche Bedeutung sowie mit der deutschen Vergangenheit auseinander.
Politisches Engagement und literarische Auseinandersetzung
Zwei Jahre später folgte der Band „...schon bist du ein Verfassungsfeind“, dessen Titel sich schnell als geflügeltes Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch politischer Auseinandersetzungen etablierte. Schneider verfasste dieses Buch 1975, nachdem ihm im Zuge des berüchtigten Radikalenerlasses für den öffentlichen Dienst der Eintritt in den Schuldienst verweigert worden war. Als überzeugter Linker durfte er nicht Lehrer werden.
Der Schriftsteller betrachtete die 68er-Revolte durchaus nicht unkritisch, verband sie aber gleichzeitig mit einem notwendigen Aufbrechen verkrusteter Strukturen in Gesellschaft und Denken. Dieses Thema ließ ihn auch literarisch nicht los, wie er im Epilog seines Buches „Rebellion und Wahn“ (2008) deutlich machte.
Thematische Vielfalt und Berlin als Wahlheimat
In seinem Werk „Mauerspringer“ (1982) widmete sich Schneider dem Leben im geteilten Berlin, das längst zu seiner Wahlheimat geworden war. In diesem Buch prägte er bereits den vielzitierten Begriff von der „Mauer im Kopf“, der bis heute in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen verwendet wird.
Sein autobiografischer Bericht „Die Lieben meiner Mutter“ (2013) stellte die frühen Nachkriegsjahre in den Mittelpunkt und porträtierte eine Frau mit großem Freiheitswillen. Gleichzeitig war dieses Werk ein Versuch, sich an seine Kindheit und die Jahre im bayerischen Dorf Grainau nahe der Zugspitze zu erinnern.
Ein Leben für das Schreiben
Das Schreiben war ein fester Bestandteil von Peter Schneiders Leben – und das bis ins hohe Alter. Erst im vergangenen Jahr erschien sein letzter Roman „Die Frau an der Bushaltestelle“, der sein umfangreiches literarisches Schaffen abschloss.
Der Verlag Kiepenheuer & Witsch trauert um einen seiner bedeutendsten Autoren und eine der prägenden intellektuellen Stimmen der Bundesrepublik. „Er hinterlässt ein Werk, das wie kaum ein anderes die Brüche, Hoffnungen und Transformationen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts dokumentiert“, so die Würdigung des Verlags.
Peter Schneiders literarisches Erbe umfasst Erzählungen, Essays, Romane und Drehbücher, die sich durch ihre thematische Vielfalt und sprachliche Präzision auszeichnen. Seine Werke bleiben als wichtige Zeitdokumente und literarische Meisterwerke erhalten.



