Katerina Poladjan mit Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet
Die Leipziger Buchmesse hat ihre diesjährigen Preisträger bekanntgegeben, und in der Kategorie Belletristik geht die Auszeichnung an Katerina Poladjan. Die 1971 in Moskau geborene Autorin wurde für ihren Roman Goldstrand geehrt, der auf nur 160 Seiten eine faszinierende Reise durch Europa entfaltet. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der meisterhaften Erzählweise Poladjans, die eine leichte und zugleich abgründige Sprache mit tiefgründigen Themen verbindet.
Eine europäische Reise von Odessa bis Bulgarien
In Goldstrand schickt Poladjan die Leserinnen und Leser auf eine literarische Tour, die von Odessa über Rom bis zum titelgebenden Ferienort Goldstrand in Bulgarien führt. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Regisseur Eli, der auf der Couch einer rätselhaften Analytikerin, einer Dottoressa, sein Leben reflektiert. Aus diesen Gesprächen entspinnt sich in teils absurden Dialogen eine vielschichtige Geschichte des 20. Jahrhunderts, die die politischen und sozialen Verwerfungen Europas einfängt.
Die Jury hob hervor: Meisterlich führt Katerina Poladjan vor, wie eine Biografie aus Selbstbefragung und Erfindung entsteht, aus Fabulieren und dem Umschiffen von Schmerz. Dies unterstreicht die literarische Qualität des Werks, das bereits der fünfte Roman der Autorin ist und auf persönlichen Erfahrungen basiert.
Persönliche Hintergründe und Recherche
Poladjan kennt die Schauplätze ihres Romans aus eigener Anschauung. Als Kind reiste sie Ende der 1970er Jahre mit ihrer Familie aus der Sowjetunion in den Westen aus, lebte zunächst in Rom und später in Deutschland. Ihre Großmutter blieb damals zurück, und da Individualtourismus in der Sowjetunion nicht möglich war, traf sich die Familie konspirativ am Goldstrand in Bulgarien. Fast alle ihre Ferien verbrachte Poladjan dort, was dem Roman eine authentische Note verleiht.
Für die Recherche kehrte die Autorin an den Goldstrand zurück und beobachtete die Veränderungen: Die brutalistischen Hotels aus sozialistischen Zeiten wurden in den turbokapitalistischen 1990er Jahren abgerissen und durch quietschbunte Neubauten ersetzt, die heute ebenfalls verfallen. Und das war für mich auch eine Frage, also rein auf der Ebene der Architektur: Welche Vision einer Zukunft haben wir eigentlich noch? fragt Poladjan und reflektiert damit über gesellschaftliche Umbrüche.
Weitere Preisträger und Hintergründe
Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in drei Kategorien vergeben: Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen. Jeder Sieger erhält ein Preisgeld von 15.000 Euro. In diesem Jahr reichten 177 Verlage insgesamt 485 Werke ein, was die Bedeutung des Preises unterstreicht.
- In der Sachbuch-Sparte setzte sich Marie-Janine Calic mit Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa durch. Das Buch erzählt die wenig bekannte Geschichte von Künstlern und Kulturschaffenden, die während der Nazizeit auf dem Balkan Zuflucht fanden.
- Der Übersetzer Manfred Gmeiner wurde für seine Übertragung des Romans Unten leben von Gustavo Faverón Patriau aus dem Spanischen ins Deutsche ausgezeichnet.
Poladjan war bereits zum zweiten Mal für den Preis nominiert; 2022 stand sie mit Zukunftsmusik auf der Shortlist. Die Leipziger Buchmesse läuft noch bis zum Sonntag, und auf dem begleitenden Lesefestival Leipzig liest sind zahlreiche Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland live zu erleben.



