Vom DDR-Cover zur internationalen Modewelt: Anja Kossiwakis' bemerkenswerte Reise
Die gebürtige Dessauerin Anja Kossiwakis hat eine außergewöhnliche Karriere hinter sich, die sie von den Modestudios der DDR bis auf die prestigeträchtigen Laufstege der internationalen Fashion Weeks führte. Mit 57 Jahren erlebte sie Anfang März ihren bislang größten Karrierehöhepunkt: ihren ersten Auftritt auf der Pariser Fashion Week.
Das Aus bei GNTM als Wendepunkt
Anfang des Jahres versuchte sich die erfahrene Model, Bloggerin und Fotografin noch einmal bei Germany's Next Topmodel, doch bereits nach dem ersten Casting war für sie bei Heidi Klums Modelshow Schluss. Was zunächst wie ein Rückschlag wirkte, erwies sich jedoch als Türöffner für neue Möglichkeiten. Dieser Auftritt markierte nicht das Ende, sondern den Beginn eines neuen Kapitels in ihrer bereits langjährigen Karriere.
Emotionaler Moment in Paris
„Mit 57 Jahren war ich das erste Mal bei der Fashion Week in Paris als Model auf dem Laufsteg. Das ist so unglaublich“, teilte Kossiwakis stolz auf ihrem Instagramkanal mit. Sie trug dabei den Look der ukrainischen Designerin Elmira Polyayeva, der moderne Eleganz mit starker Individualität verbindet – Werte, die auch ihre eigene Geschichte widerspiegeln. Für die Dessauerin war dieser Auftritt ein besonders emotionaler Moment, der zeige, „dass Träume in der Mode kein Verfallsdatum haben“.
Karrierestart in der DDR
Die Wurzeln ihrer Modelkarriere reichen mehr als 35 Jahre zurück. Mit 16 Jahren entdeckte Kossiwakis einen Zettel im Schaufenster eines Dessauer Modeladens, auf dem ein Verlag Models suchte. Nach ihrer Bewerbung traf sie auf den DDR-Starfotografen Günter Rössler, der sofort erkannte: „Ich sehe schon, das passt.“ Zwei Jahre später, 1987, erhielt sie ein Telegramm vom „Verlag für die Frau“ und wurde zu ihrem ersten Fotoshooting nach Leipzig eingeladen.
Bei diesem Termin beeindruckte sie mit ihrer natürlichen Schönheit – „Wir müssen dich gar nicht schminken“ – und nach nur einer Stunde waren die Aufnahmen bereits fertig. Die Bilder waren so überzeugend, dass Kossiwakis es auf das Titelbild der DDR-Modezeitschrift „Modische Maschen“ schaffte, was in ihrer Heimatstadt Dessau für großes Aufsehen sorgte.
Kreative Improvisation auf Abraumhalden
Die Fotoshootings in der DDR erforderten viel Kreativität und Improvisation. Ein sogenanntes „Safari-Shooting“ etwa, das den Eindruck erweckte, in Afrika entstanden zu sein, fand tatsächlich auf einer Abraumhalde in Bitterfeld statt. „Man konnte ja nicht reisen und musste improvisieren“, erinnerte sich Kossiwakis. Fotograf Rössler habe das Shooting ihrer Meinung nach so gut umgesetzt, dass „man wirklich denkt, man ist in der Wüste“.
Neuanfang nach dem Mauerfall
Der Mauerfall veränderte das Leben der Dessauerin grundlegend. Bereits einen Tag nach dem historischen Ereignis stieg sie in den Zug, um zu ihrer Tante nach Wiesbaden zu fahren. Dort nahm sie zunächst einen Job bei einer Sparkasse an, während sie versuchte, ihre Modelkarriere fortzusetzen. Doch in der neuen Umgebung gestaltete sich dies schwieriger als erwartet, und nach einigen Wettbewerbsteilnahmen galt sie bald als „zu alt“ für die Branche.
Hartnäckigkeit führt zurück in die Modewelt
Ihre Rückkehr in die Modewelt verdankt Kossiwakis einer Mischung aus Hartnäckigkeit und glücklichen Zufällen. 2009, als die Zeitschrift „Brigitte“ eine Initiative startete, statt professioneller Models normale Frauen zu buchen, sah sie ihre Chance gekommen. Nach einem Zeitungsartikel im „Spiegel“ mit dem Titel „Volkseigene Models“ und mehreren Briefen an Designer erhielt sie schließlich 2010 ihre erste Einladung zur Fashion Week in Berlin.
Von dort aus knüpfte sie Stück für Stück Kontakte und „rutschte in die Szene hinein“. Inzwischen war sie bereits auf Fashion Weeks in Paris, Mailand, London und New York. Besonders Paris hat es ihr angetan: „Paris ist halt besonders.“ Dort gelang ihr sogar ein besonderes Erlebnis – bei einer Chanel-Show im Grand Palais machte sie ein Foto des weltberühmten Designers Karl Lagerfeld, auf dem nur er allein zu sehen ist.
Wurzeln bleiben wichtig
Trotz ihrer internationalen Erfolge vergisst Kossiwakis ihre Anfänge nicht: „Ohne die 'Modischen Maschen' hätte ich all die schönen Momente auf der Fashion Week nicht erlebt“, betont sie. Ihre Geschichte beweist, dass Karrieren ungewöhnliche Wege nehmen können – von der Abraumhalde in Bitterfeld bis zu den glamourösen Laufstegen von Paris. „Von der Abraumhalde in Bitterfeld nach Paris – das kann sich keiner ausdenken“, resümiert die heute 57-Jährige ihre außergewöhnliche Reise.



