Modebranche kämpft mit weltweiten Krisen und schwacher Nachfrage
Die deutsche Bekleidungsindustrie befindet sich weiterhin in einer schwierigen Phase. Nach Angaben des Branchenverbands GermanFashion sanken die Erlöse im Jahr 2025 nominal um 1,4 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Weltweite Krisen, anhaltende Lieferkettenprobleme, verunsicherte Konsumenten und eine insgesamt schwache Nachfrage belasten die Modebranche erheblich. GermanFashion-Präsident Justus Lebek führt diese Entwicklung vor allem auf die angespannte weltpolitische Lage zurück, die zu großer Verunsicherung bei den Verbrauchern führt.
Strümpfe entwickeln sich zum modischen Accessoire mit Wachstumspotenzial
Inmitten dieser negativen Gesamtentwicklung gibt es jedoch zwei bemerkenswerte Ausnahmen: Strumpfwaren konnten im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von vier Prozent verzeichnen. Experte Hansjürgen Heinick vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln erklärt diesen Trend damit, dass Strümpfe heute nicht mehr nur als reines Alltagsprodukt betrachtet werden, sondern sich zu einem modischen Accessoire entwickelt haben. „Strümpfe sind in Mode und können Aufmerksamkeit auf sich ziehen“, so Heinick. Sie würden heute häufiger passend zum Anlass ausgewählt und ihre funktionalen Eigenschaften für verschiedene Sportarten würden zunehmend geschätzt.
Eine Sprecherin des Herstellers Falke betont: „Strümpfe bieten die Möglichkeit, sich modisch auszudrücken, ohne enorme Investitionen zu tätigen - ein Vorteil, der gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wirkt.“ Diese Entwicklung setzt sich fort, nachdem die Umsätze in dieser Kategorie bereits 2024 gestiegen waren.
Arbeitsbekleidung wächst, während Alltagskleidung einbricht
Ebenfalls positiv entwickelte sich der Bereich Arbeits- und Berufsbekleidung mit einem Umsatzplus von 3,3 Prozent. Demgegenüber steht der deutliche Rückgang in der wichtigen Kategorie sonstige Oberbekleidung, zu der Hosen, T-Shirts, Pullover, Sakkos, Kleider, Hemden und Blusen zählen. Hier setzten die Hersteller bereits im zweiten Jahr in Folge weniger um, mit einem Minus von 2,2 Prozent.
Besonders dramatisch fällt der Einbruch bei Anzügen (minus 13,8 Prozent) und Kleidern (minus 10,6 Prozent) aus. GermanFashion erklärt diesen Trend mit einem Wandel weg von anlassbezogener Bekleidung. Anzüge als typisches Büro-Outfit hätten durch die Verbreitung des Homeoffice an Bedeutung verloren, bei Kleidern sei es ähnlich.
Exportmärkte zeigen gemischtes Bild mit USA als Überraschung
Im wichtigen Auslandsgeschäft blieb der erhoffte Aufschwung 2025 ebenfalls aus, mit einem leichten Rückgang von 0,5 Prozent. Die Außenhandelsstatistik zeigt Rückgänge in fast allen Produktgruppen. Bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung in den USA: Trotz Zollproblematik wurde hier ein Umsatzplus von knapp vier Prozent erzielt. „Offenbar werden die höheren Preise im dortigen Markt von den Verbraucherinnen und Verbrauchern akzeptiert beziehungsweise durch den Importeur nicht weitergegeben“, analysiert GermanFashion-Präsident Lebek.
Die wichtigsten Exportmärkte der deutschen Bekleidungsindustrie bleiben Polen, die Schweiz und Österreich. Bei den Importländern dominieren weiterhin China, Bangladesch und die Türkei.
Trend zu Nearshoring und schwierige Aussichten für 2026
GermanFashion-Präsident Lebek erwartet für 2026 erneut schwierige Rahmenbedingungen. Er geht davon aus, dass sich der Trend zum „Nearshoring“ fortsetzt - also die Produktion im nahegelegenen Ausland. Die Vorteile liegen in geringeren Kosten und kürzeren Lieferwegen. Die nordafrikanischen Standorte Ägypten, Tunesien und Marokko sowie Portugal verzeichneten im vergangenen Jahr bereits starke Zuwächse bei den Einfuhren.
Lebek warnt zudem vor steigenden Logistikkosten infolge des Iran-Kriegs: „Wir werden Preissteigerungen haben, die man aber ungern an Endkunden weitergibt, die ohnehin schon belastet sind.“ Die Verbraucher würden Mode in der aktuellen Situation bewusster und zurückhaltender kaufen, auch wenn sie zum Alltag gehöre.
GermanFashion vertritt etwa 350 Unternehmen aus der Modebranche, darunter bekannte Namen wie Hugo Boss, Adidas, Brax und Marc O'Polo. Die Organisation beobachtet die Entwicklungen in der Branche genau und unterstützt ihre Mitglieder bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen.



