Thüringens Museen als lebendige Lernorte für Schüler
Museen in Thüringen haben sich zu bedeutenden außerschulischen Bildungsorten entwickelt. Eine aktuelle Erhebung des Museumsverbands Thüringen unter 134 Museen und deren Trägern belegt eindrucksvoll das Engagement: Im vergangenen Jahr organisierten die Häuser insgesamt 55.614 museumspädagogische Unterrichtseinheiten. Davon profitierten 14.234 Schulklassen, die die vielfältigen Angebote der Museen nutzten.
Authentisches Lernen an historischen Orten
„Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig Museen als außerschulische Bildungsorte sind“, betonte Franziska Zschäck, Vizepräsidentin des Museumsverbands Thüringen. „Kinder können an authentischen Orten Dinge im wahrsten Sinne des Wortes begreifen und so Schulwissen auf besondere Weise vermittelt bekommen.“ Museen seien nicht nur Wissensspeicher, sondern aktive Wissensvermittler im Bildungssystem.
Experimentierräume und praktische Angebote
Timo Mappes, ebenfalls Vizepräsident des Verbands, ergänzte: „Museen bieten Lernmöglichkeiten, die sich nicht alle Schulen leisten können.“ Als Beispiele nannte er das Thermometermuseum in Geraberg, wo Schüler Experimente zum Temperaturmessen durchführen können, sowie das Lindenau-Museum Altenburg mit seinen Studio-Angeboten. Dieses Haus ermöglicht Schulen die Nutzung von Ateliers und Werkstätten, was praktisches Gestalten und kreatives Arbeiten fördert.
Personalmangel führt zu Absagen
Trotz des großen Engagements gibt es jedoch Herausforderungen. „Die Nachfrage seitens der Schulen ist häufig größer, als die Museen leisten können“, erklärte Zschäck. „Viele Häuser müssen Anfragen ablehnen, weil sie nicht über ausreichend Personal verfügen.“ Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Gedenkstätte Buchenwald, die im vergangenen Jahr in mehr als 1.000 Fällen Absagen erteilen musste.
Netzwerke für bessere Museumspädagogik
Um diese Situation zu verbessern, wünscht sich der Museumsverband mehr Unterstützung seitens der Politik. Gleichzeitig appelliert er an Museen und deren Träger, sich besser zu vernetzen. „In den jeweiligen Regionen könnten Pool-Lösungen mit Museumspädagogen geschaffen werden, auf die die Häuser zugreifen können“, schlug Mappes vor. Für kleinere Museen, die sich keine ganze Stelle für Museumspädagogik leisten könnten, biete dies eine große Chance. Ein solches Netzwerk sei bereits in Südthüringen erfolgreich etabliert.
Besucherzahlen im Aufwärtstrend
Die Museen in Thüringen verzeichneten im vergangenen Jahr rund 3,97 Millionen Besucher. Allerdings meldeten nicht alle Häuser ihre Statistik, wie der Verband einschränkte. Im Vorjahr waren es etwa 3,86 Millionen gewesen. Verbandspräsident Roland Krischke sieht eine „klare Verstetigung in positiver Richtung“ bei den Besucherzahlen, betonte aber: „Die Entwicklung führt uns aber immer noch erst aus dem Corona-Tal heraus.“
Laut Verbandsstatistik kamen in den Jahren von 2020, als während der Corona-Pandemie zeitweise Museen geschlossen waren, jährlich durchschnittlich knapp vier Millionen Gäste. Ein Besuchermagnet im Jahr 2025 war die Landesausstellung zu 500 Jahren Bauernkrieg, die zu einem deutlichen Besucher-Plus bei Museen in Nordthüringen führte. Besonders profitierten die Mühlhäuser Museen, gefolgt vom Panorama Museum Bad Frankenhausen und dem Regionalmuseum Bad Frankenhausen.
Vielfältige Museumslandschaft
Rund 240 Museen sind Mitglieder im Museumsverband Thüringen. Diese umfassen sowohl Häuser großer Stiftungen als auch Kleinstmuseen im ländlichen Raum. Die Bandbreite reicht von historischen Sammlungen über Kunstmuseen bis hin zu Spezialmuseen wie dem Thermometermuseum in Geraberg. Diese Vielfalt ermöglicht es Schulen, passende außerschulische Lernorte für verschiedene Unterrichtsthemen zu finden.
Die museumspädagogischen Angebote reichen von Führungen und Workshops über praktische Experimente bis hin zu kreativen Gestaltungsprojekten. Durch diese vielfältigen Formate können Schüler Wissen auf unterschiedliche Weise erfahren und vertiefen. Die Museen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bildungsvielfalt in Thüringen und ergänzen den schulischen Unterricht durch praktische und anschauliche Erfahrungen.



