Keimzeit-Sänger Norbert Leisegang: Kein Gedanke ans Aufhören trotz 14. Album
Keimzeit-Sänger: Kein Gedanke ans Aufhören trotz 14. Album

Keimzeit-Sänger Norbert Leisegang: Kein Gedanke ans Aufhören trotz 14. Album

Der Keimzeit-Sänger Norbert Leisegang steht seit Jahrzehnten auf der Bühne und zeigt keine Anzeichen von Ermüdung. Jetzt bringt die Band ihr 14. Album mit dem Titel „Ach, die Menschen“ heraus – und wenn es nach dem 65-jährigen Frontmann geht, wird es bei Weitem nicht das letzte Werk der Gruppe sein. In einem exklusiven Interview spricht Leisegang über die neue Veröffentlichung, seine Motivation und die Pläne für rund 40 Konzerte in diesem Jahr.

Das 14. Album: Handschrift bleibt erhalten

Musik zu beschreiben ist natürlich immer ein bisschen hinderlich, gibt Norbert Leisegang zu Beginn des Gesprächs zu. „Aber wenn ich den Versuch starten sollte, einiges darüber zu sagen, dann würde ich betonen: Auch das 14. Album trägt grundsätzlich unsere Handschrift, die unverwechselbare Note von Keimzeit.“ Die Band beleuchtet textlich Themen, die nicht in der ersten Reihe stehen, wenig politisch und gesellschaftskritisch sind, sondern einfach die alltäglichen Dinge, die unter ganz normalen Menschen stattfinden.

Leisegang erklärt seinen Ansatz: „Ich kann nur für mich sprechen. Wenn man im gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Leben kein Grundwissen hat, dann gibt man sehr oft Unsinn von sich. Das möchte ich vermeiden – das sollten Künstler grundsätzlich vermeiden.“ Stattdessen findet er die unpolitische Realität um sich herum hochinteressant und sogar faszinierender als alles, was er sich theoretisch aneignen könnte.

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Songschreiben als Therapie und Lebenserhalt

Mit 66 Jahren steht die Frage nach der Rockerrente im Raum, doch Leisegang winkt ab. „Darüber hätte man schon ab 27 nachdenken müssen“, scherzt er. „Wenn man jung ist, hat man einen ganz anderen Ausdruck und Klang als Band und Sänger. Wenn es danach ginge, hätten wir schon mit Ende 20 alles niederlegen müssen.“

Für den Sänger ist die Musik viel mehr als nur ein Beruf. „Ich habe mit der Entscheidung, Sänger in einer Band zu sein, meinen Lebensmittelpunkt gefunden. Ich kann mich mit dem Schreiben von Songs therapieren, mich am Leben erhalten. Insofern denke ich nicht im Geringsten an eine Ruhezeit und bin glücklich, solange es diese Band gibt.“ Beides – Live-Auftritte und Studioarbeit – ist für ihn essenziell. Auf der Bühne erlebt er die unmittelbare Reaktion des Publikums, im Studio konzentriert sich die Arbeit auf die Kreation neuer Songs.

„Kling Klang“: Ein Song, der bleibt

Die meisten Menschen verbinden Keimzeit mit dem Hit „Kling Klang“ aus dem Jahr 1993. Für Leisegang ist das aktuell gar kein Problem. „Die Handschrift von Keimzeit ist auch bei ‚Kling Klang‘ zu erkennen. Dass relativ viele Leute genau diesen Song ins Herz geschlossen haben, daran hat keiner Schuld.“ Zwar wurde er hin und wieder überdrüssig des Stücks, aber er sieht die Band nicht darauf reduziert.

Über den Erfolg des Songs sagt er: „Vielleicht war es das Gefühl damals. Ich habe mir, was den Text angeht, gar keine großen Gedanken gemacht. Das musste irgendwie klingen, singbar sein. Dann ist es beinahe ein Schlager geworden, was ich eigentlich ungern tue, aber ich konnte es nicht verhindern.“ Es bleibt ein Mysterium, warum manche Songs eine so große Resonanz erfahren. Fast kein Konzert kommt heute ohne „Kling Klang“ aus – das Lied ist fester Bestandteil der Setlist.

40 Konzerte und besondere Auftritte 2026

Keimzeit plant für dieses Jahr rund 40 Konzerte quer durch die Republik, darunter einige besondere Highlights. „Im Sommer sind wir bei der Hanse Sail dabei. Wir fahren mit der Kieler Hansekogge auf die Ostsee raus und spielen viermal“, verrät Leisegang. „Ende Juni fahren wir in einem wiederhergestellten D-Zug aus den 60er Jahren von Dresden nach Cottbus und geben ein Konzert.“

Die Frage nach Unterschieden zwischen Ost- und Westpublikum begegnet ihm häufig. „Ich sage dann: Koffer gepackt und kommt dort hin! Leute, die sich auf den Weg machen, um ein Keimzeit-Konzert zu besuchen, werden feststellen, dass die Grundstimmung genau die gleiche ist – ob in Köln oder Leipzig.“ Überall kommen aufmerksame Zuhörer zu den Shows.

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Zur Person: Norbert Leisegang

Der Sänger gründete zu DDR-Zeiten mit seinen drei Geschwistern die Band Jogger, aus der später Keimzeit hervorging. Aus der Anfangszeit ist heute nur noch sein Bruder Hartmut am Bass in der Band dabei. Norbert Leisegang lebt in Potsdam und bleibt der Musik treu – mit dem 14. Album und zahlreichen Konzerten zeigt er, dass die Leidenschaft ungebrochen ist.