Keimzeit-Sänger Norbert Leisegang: Kein Gedanke ans Aufhören trotz 14. Album
Keimzeit-Sänger: Kein Gedanke ans Aufhören

Keimzeit-Sänger Norbert Leisegang: Kein Gedanke ans Aufhören trotz 14. Album

Der Keimzeit-Sänger Norbert Leisegang steht seit Jahrzehnten auf der Bühne und zeigt keine Anzeichen von Ermüdung. Jetzt bringt die Band ihr 14. Album mit dem Titel „Ach, die Menschen“ heraus – und wenn es nach dem 65-jährigen Frontmann geht, wird es definitiv nicht das letzte Werk der Formation sein.

Die Handschrift von Keimzeit bleibt erhalten

Im Interview beschreibt Leisegang das neue Album als typische Keimzeit-Produktion. „Auch das 14. Album trägt grundsätzlich unsere Handschrift“, erklärt der Sänger. Die Band beleuchtet textlich Themen, die nicht im politischen oder gesellschaftskritischen Fokus stehen, sondern alltägliche Begebenheiten zwischen normalen Menschen behandeln.

Zur Frage, ob Künstler sich politisch äußern sollten, antwortet Leisegang differenziert: „Wenn man im gesellschaftlichen oder politischen Leben kein Grundwissen hat, dann gibt man sehr oft Unsinn von sich. Das sollten Künstler grundsätzlich vermeiden.“ Stattdessen findet er die unpolitische Welt um sich herum hochinteressant und inspirierend.

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Songschreiben als Therapie und Lebensinhalt

Mit 66 Jahren denkt Leisegang nicht im Geringsten an eine sogenannte Rockerrente. „Ich habe mit der Entscheidung, Sänger in einer Band zu sein, meinen Lebensmittelpunkt gefunden“, betont er. Das Schreiben von Songs wirke therapeutisch und erhalte ihn am Leben. Solange die Band existiere, sei er glücklich und sehe keine Notwendigkeit für eine Ruhephase.

Für den Musiker sind sowohl Live-Auftritte als auch Studioarbeit gleichermaßen wichtig. Auf der Bühne erlebe er die unmittelbare Reaktion des Publikums, während die Studioarbeit konzentrierte kreative Prozesse ermögliche.

„Kling Klang“ und das Phänomen des Hits

Die meisten Menschen verbinden Keimzeit mit dem Hit „Kling Klang“ aus dem Jahr 1993. Leisegang sieht dies aktuell als kein Problem: „Die Handschrift von Keimzeit ist auch bei ‚Kling Klang‘ zu erkennen.“ Dass viele Menschen gerade diesen Song ins Herz geschlossen hätten, daran trage niemand Schuld. Er sehe die Band nicht auf diesen einen Titel reduziert.

Über den unerwarteten Erfolg des Liedes sagt der Sänger: „Es ist ein Zauber, ein Mysterium, dass der eine oder andere Song eine so große Resonanz erfährt. Ich kann es nicht erklären.“ Dennoch steht „Kling Klang“ bei fast jedem Konzert auf dem Programm.

Tournee mit besonderen Veranstaltungen

In diesem Jahr plant Keimzeit etwa 40 Konzerte quer durch Deutschland, darunter einige besondere Veranstaltungen:

  • Auftritte bei der Hanse Sail mit Konzerten auf der Kieler Hansekogge auf der Ostsee
  • Ein Konzert in einem restaurierten D-Zug aus den 1960er Jahren auf der Strecke von Dresden nach Cottbus

Zur Frage nach Unterschieden zwischen Ost- und West-Publikum antwortet Leisegang pragmatisch: „Leute, die sich auf den Weg machen, um ein Keimzeit-Konzert zu besuchen, werden feststellen, dass es von der Grundstimmung genau das Gleiche ist – ob das nun in Köln ist oder in Leipzig.“

Zur Person

Norbert Leisegang gründete zu DDR-Zeiten mit seinen drei Geschwistern die Band Jogger, aus der später Keimzeit hervorging. Von den Anfangszeiten ist heute nur noch sein Bruder Hartmut am Bass in der Band dabei. Der Sänger lebt in Potsdam und bleibt der Musik auch im siebten Lebensjahrzehnt treu verbunden.

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