Sarah Engels vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2026
Neues Jahr, neuer Anlauf: Deutschland möchte beim Eurovision Song Contest endlich wieder einen vorderen Platz erreichen. Diesmal sollen tanzbarer Pop, spektakuläre Bühneneffekte und die erfahrene Sängerin Sarah Engels den lang ersehnten Erfolg bringen.
Feuriger Sieg beim deutschen Vorentscheid in Berlin
Sarah Engels konnte ihr Glück kaum fassen – die 33-jährige Kölnerin setzte sich beim Vorentscheid „Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale 2026“ in Berlin gegen acht Mitbewerber durch und sicherte sich damit das Ticket zum ESC-Finale am 16. Mai in Wien. „Ich freue mich so krass, dass ich dabei sein darf und ich werde mein Bestes geben für Deutschland“, versprach die überglückliche Sängerin nach ihrem Sieg.
Ihr Beitrag trägt den passenden Titel „Fire“ (Feuer) und wurde bereits bei der Vorentscheidung entsprechend inszeniert: Hohe Flammen züngelten auf der Bühne, während Engels mit ihren Tänzerinnen in einem roten Kleid darüber wirbelte. Nach der Show wollte sie schnell ihre Kinder anrufen, die vor dem Fernseher mitgefiebert hatten. „Der Glücksbringer, den sie mir heute Morgen mitgegeben haben, der hat gefruchtet“, verriet Engels der Deutschen Presse-Agentur. Es handelte sich um ein kleines Faultier mit der Botschaft: Ruhe bewahren.
Eine schwierige Mission vor internationalem Publikum
Diese innere Ruhe wird die Sängerin beim ESC-Finale in Wien dringend benötigen. Die Mission gestaltet sich alles andere als einfach, denn deutsche Künstler landeten in den vergangenen zehn Jahren beim Eurovision Song Contest meist auf den hinteren Plätzen. Lediglich Michael Schulte erreichte 2018 mit Platz vier ein Spitzenergebnis. Die jüngeren Beiträge von Sänger Isaak (2024, 12. Platz) und dem Duo Abor & Tynna (2025, 15. Platz) konnten nur Mittelfeld-Ränge erzielen.
„Fire“ ist eine eingängige Pop-Nummer, die im Studio gut ankam und inhaltlich vor allem Frauen stärken soll. „Wir leben in einer Welt voller Social Media. Irgendwie wirkt alles so unecht“, erklärte Sarah Engels. Sie wolle jeder Frau vermitteln, dass sie sich nicht verstellen müsse, sondern einfach sie selbst sein dürfe.
Erfahrene Bühnenkünstlerin mit beeindruckender Karriere
Die Sängerin kennt die Mechanismen der oft inszenierten Social-Media-Welt bestens: Bei Instagram verfolgen sie sagenhafte 1,8 Millionen Follower. Bekannt wurde Engels 2011 durch ihre Teilnahme an der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“, wo sie ins Finale einzog und gegen ihren späteren Ehemann Pietro Lombardi antrat. Mittlerweile ist diese Ehe Geschichte – 2021 heiratete sie ihren heutigen Mann Julian.
Lange Zeit wurde ihr Gesangstalent chronisch unterschätzt, was auch an ihren vielfältigen anderen Aktivitäten liegen mag. Engels bewies ihr Können in zahlreichen TV-Formaten:
- „Let's Dance“
- „The Masked Singer“
- „Das große Promibacken“
- „Dancing on Ice“
Zudem übernahm sie Rollen im „Traumschiff“, spielte die Hauptrolle im Film „Die Tänzerin und der Gangster – Liebe auf Umwegen“ und trat bei „Holiday on Ice“ als Eisläuferin auf. Derzeit begeistert sie in ihrer Heimatstadt Köln als Musical-Star in „Moulin Rouge!“. Man kann ohne Übertreibung sagen: Sarah Engels hat sich zu einer Meisterin vieler Künste der deutschen Unterhaltungsbranche entwickelt.
Knapper Sieg gegen starke Konkurrenz
Beim Vorentscheid musste sich die Sängerin zunächst einer 20-köpfigen internationalen Jury stellen, die mit kleinen Flaggen über den Künstlern thronte und Deutschland bei der Entscheidungsfindung unterstützen sollte. Der schwedische ESC-Experte Christer Björkman, von Moderatorin Hazel Brugger als „Gandalf der schwedischen Popkultur“ vorgestellt, betonte dabei, dass ein Gewinner-Lied „auch auf einem größeren Markt funktionieren“ müsse – nicht nur in Deutschland.
Das Experten-Gremium reduzierte den Bewerberkreis von neun auf drei Acts. Im Finale standen sich schließlich Sarah Engels mit „Fire“, Sängerin Molly Sue mit „Optimist (Ha Ha Ha)“ sowie Wavvyboi aus Liechtenstein mit „black glitter“ gegenüber. Die finale Entscheidung traf das Publikum per Abstimmung.
Zur härtesten Konkurrenz entwickelte sich Wavvyboi – der nicht-binäre Act überzeugte mit einer Mischung aus Gitarrenriffs, hohen melodischen Gesangslinien und einer kraftvollen Bühnenshow. Das Votum fiel äußerst knapp aus: Im Studio wurde ein Stimmenanteil von 38,3 Prozent für Sarah Engels angezeigt, während Wavvyboi auf 34,15 Prozent kam.
Neue Strukturen beim deutschen ESC-Auswahlprozess
Anders als in den Vorjahren verantwortete diesmal nicht mehr der Norddeutsche Rundfunk (NDR) den Auswahlprozess, sondern der Südwestrundfunk (SWR). Der Sender hat die Federführung innerhalb der ARD übernommen und setzte unter anderem auf sogenannte Songwriting-Camps, um geeignete ESC-Titel zu entwickeln.
Nicht mehr Teil der Auswahlmaschinerie war Moderator Stefan Raab, der im vergangenen Jahr wegen der deutschen ESC-Misere reaktiviert worden war, aber mit Platz 15 an seinen eigenen Ambitionen scheiterte. Beim Vorentscheid kam Raab nur noch als Erinnerung vor – als die Moderatorinnen Hazel Brugger (32) und Barbara Schöneberger (51) ein Medley bekannter ESC-Lieder vortrugen, sangen sie mit schneeweißen Zahnreihen auch „Wadde hadde dudde da?“, Raabs ESC-Song aus dem Jahr 2000.
Österreich ist in diesem Jahr ESC-Gastgeber, weil es den Wettbewerb 2025 mit dem Countertenor JJ gewonnen hat. Im Vorfeld hatte die Teilnahme Israels für Diskussionen gesorgt, da einige Länder den ESC als Reaktion auf das Vorgehen Israels im Gazastreifen boykottieren.



