Die Alben der Woche im Soundcheck: Von Befreiungsschlägen bis Eurodance-Revival
Jeden Freitag ab 21 Uhr präsentiert der Soundcheck auf Radio eins die wichtigsten Neuveröffentlichungen der Woche. Diese Woche stehen vier höchst unterschiedliche Alben im Fokus, die von erfahrenen Musikjournalisten und Moderatoren analysiert werden.
Charli XCX: Mehr als nur ein Filmsoundtrack
Das neue Album Wuthering Heights von Charli XCX soll bewusst mehr sein als der Soundtrack zum gleichnamigen Film. Nachdem ihr vorheriges Werk Brat nicht nur den Pop-Zeitgeist dominierte, sondern sogar im US-Wahlkampf Erwähnung fand, hat sich die Britin von einer Nischenkünstlerin zu einem globalen Festival-Headliner entwickelt. Die Frage bleibt: Folgt auf den Brat-Summer nun der Wuthering-Heights-Winter?
Chet Faker: Elegante Grooves mit fehlendem Tiefgang
Bei Chet Fakers Album A Love For Strangers beginnen Cover, Titel und erster Song vielversprechend. Doch ab dem dritten Track verliert sich der Hörer in einer musikalischen Schwebe. Die eleganten Grooves, souligen Piano-Intros und das subtile Saxofon im Hintergrund sind zwar gelungen, doch es fehlen die wirklich suggestiven Momente. Selbst Nick Murphis Stimme, die mal engagiert, mal zurückgenommen über Liebesverfehlungen singt, kann diesen Eindruck nicht ganz ausgleichen.
Nils Keppel: Ein wilder Wind in der deutschen Musiklandschaft
Nils Keppels Album Super Sonic Youth versteht sich als musikalischer Befreiungsschlag. Der Wahlleipziger mit pfälzischen Wurzeln sah die Zeit zu schnell verrinnen, um sich mit Kompromissen zufriedenzugeben. Die Single Keine Zukunft deutete bereits an, dass hier ein Künstler lieber verbrennt als in Bequemlichkeit zu vergehen. Das Ergebnis ist ein dringend benötigter wilder Wind in der deutschen Musikszene.
Danny L Harle: Hyperpop mit historischen Einflüssen
Der britische Producer Danny L Harle bezeichnet seinen Hyperpop als Musik der Zukunft. Auf seinem neuen Album Cerulean bedient er sich zeitloser Themen wie Wasser, Liebe und Schmerz, kombiniert mit mittelalterlichen Akkordfolgen und Einflüssen des Renaissance-Komponisten Monteverdi. Unterstützt wird er von namhaften Künstlern wie Caroline Polachek, Pinkpantheress und Dua Lipa. Trotz dieser ambitionierten Ansätze erinnert das Ergebnis oft an Eurodance aus den 90er Jahren mit Lasershows und Plastikbechern.
Die Expertenmeinungen zeigen: Diese Woche bietet eine breite Palette musikalischer Stile, von politisch aufgeladenem Pop bis zu experimentellem Hyperpop mit historischen Anklängen.



