Blutrünstiger Bühnen-Albtraum: Wie viel Sweeney Todd steckt in uns allen?
Schwerin • Gastregisseurin Sandra Wissmann bringt Stephen Sondheims Musical Sweeney Todd ins Theaterzelt am Küchengarten in Schwerin. Die Inszenierung vereint Grusel, Humor und gesellschaftskritische Elemente in einer düsteren Geschichte über Rache und Gewalt.
Eine düstere Geschichte mit Tiefgang
Sandra Wissmann, die aus dem Ruhrgebiet stammt, genießt trotz des norddeutschen Winters ihre Arbeit in Schwerin. Sie betont, dass das Theaterzelt des Mecklenburgischen Staatstheaters ein idealer Ort für diese Produktion ist. „Wenn es ein Stück gibt, wo es Sinn macht, den Raum aufzubrechen und die Grenze zwischen Bühne und Publikum zu überwinden, dann hier!“, erklärt die Regisseurin. Sie lässt die Londoner Straßen der Handlung direkt in die Zuschauerreihen hineinlaufen, was die Intensität der Aufführung steigert.
Das Musical, das oft als „Musical-Wagner“ bezeichnet wird, erzählt die Geschichte des Barbiers Sweeney Todd, der nach Jahren der Verbannung mit Rachegedanken nach London zurückkehrt. Ein erster Mord geschieht im Affekt, doch die Pastetenhändlerin Mrs. Lovett erkennt eine geschäftliche Chance in der Not der Stadt. Wissmann sieht ihre Aufgabe darin, die „Zwischentöne herauszukitzeln aus dieser düsteren Geschichte“ und die vielschichtigen Charaktere mit ihren hellen und dunklen Seiten zu zeigen.
Grusical und Musical in einem
Sweeney Todd erlebt aktuell einen kleinen Produktionsboom auf deutschen Bühnen. Neben Schwerin wird das Stück in dieser Saison auch in Bremerhaven und Lüneburg aufgeführt. Wissmann spekuliert, dass der berühmte Film von Tim Burton mit Johnny Depp in der Titelrolle dazu beigetragen haben könnte. Der Film spielte international mehr als 150 Millionen US-Dollar ein und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Im Gegensatz zu den meistgespielten Musicals in Deutschland, die oft Gute-Laune-Produktionen für die ganze Familie sind, bietet Sweeney Todd eine Mischung aus Dramatik, Humor und Gesellschaftskritik. „Es ist schon ein Stück, dem sehr viel Gewalt innewohnt“, gibt Wissmann zu, „und doch wird man gut unterhalten und denkt am Ende vielleicht auch darüber nach, wie viel Sweeney Todd in einem selbst steckt.“
Zukunftswünsche der Regisseurin
Für ihre nächste Inszenierung wünscht sich Sandra Wissmann „Beetlejuice“, die Broadway-Musical-Adaption des gleichnamigen Horror-Komödienfilms von Tim Burton. „Das finde ich ganz toll mit seiner Musik und düsteren Komponente“, erklärt sie. Frau Wissmann mag eben die kleinen großen Bühnen-Albträume, die Stoffe mit Tiefgang bieten.
Die Premiere von Sweeney Todd findet am 20. Februar im Theaterzelt am Küchengarten in Schwerin statt. Weitere Vorstellungen sind für den 22. Februar sowie den 1., 10., 15., 20. und 22. März geplant. Karten sind im Preisbereich von 21,90 bis 60,40 Euro erhältlich.



