Cindy Weinhold, seit 2023 Musikchefin des Schauspiels am Volkstheater Rostock, setzt auf das Live-Erlebnis. Die Musikerin verrät, was sie antreibt, wo sie hin will und was das Rostocker Publikum in nächster Zeit erwarten darf.
Vom zerplatzten Klaviertraum zur Orgel
Die Vogtländerin wuchs im sächsischen Reichenbach auf. Ihr erster Traum war eine Profi-Karriere im klassischen Klavier. „Der Zahn wurde mir dann leider von meinem Lehrer gezogen“, erzählt sie. „Meine Hände sind zu klein für das ganz große Repertoire.“ Entmutigt war sie nur fünf Minuten. Sie suchte sich eine Alternative: die Orgel. „Da liegen die Manuale deutlich enger zusammen“, erklärt sie. „Ich fand die neue Herausforderung geil: Füße!“ Die sind beim Orgelspielen komplett eingebunden.
Lebensmotto: Einfach machen
Der Wille, Neues auszuprobieren, zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Biografie. Sie studierte Jazzgesang in Weimar, leitete Bands in Punk, Elektro und Soul, unterrichtete im Klassenzimmer, spielte in Nachtclubs und dirigierte im Kirchenschiff. Dann die Anfrage eines Schauspielers, ob sie die musikalische Leitung für eine Revue übernehmen wolle. Ihre Antwort: „Ich probiere es einfach mal aus.“ Seitdem blieb sie beim Theater. „Stimme, Körper, Text, Krach“, meint die Musikerin. „Die Musik am Theater dient dem Inhalt.“
Erster großer Auftritt in Rostock
Ihr erstes Ausrufezeichen setzte sie beim Weihnachtssingen im Ostseestadion vor Tausenden Menschen. „Es war vollkommen überwältigend. Tausende Menschen singen, die Lichter flirren, und dann konnte ich einfach nicht mehr – mir kamen die Tränen.“ Es sei „unfassbar schön“ gewesen und „ein riesen Geschenk“. „Für eine Stunde vergessen alle die Welt und singen zusammen – egal, wer neben wem sitzt.“ Diese flüchtigen Live-Momente seien der Beweis, warum Theater heute relevanter ist als je zuvor: „Jede Vorstellung ist anders. Netflix läuft immer – aber dieser eine Moment kommt so nie wieder.“
Alltag und Zukunftspläne
Ihr Tag beginnt selten gleich: Komponieren, arrangieren, produzieren, Proben oder Stimmbildung. Sie stimmt sich mit Regie, Dramaturgie und Tontechnik ab. Neben dem Hausbetrieb will sie den Kontakt zur Stadt stärken. „Kunst ohne Gegenwart ist für mich nicht denkbar“, so Weinhold. Aktuell arbeitet sie an einer musikalischen Lesung über Frauen in der DDR-Punkszene. „Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen mit Repression, Haft und Stigmatisierung.“ Diese Geschichten müssten gehört werden – „laut, direkt und mit Musik, die etwas riskiert“. Ihre Botschaft: „Sucht die Live-Momente!“



