Iberl-Bühne brilliert mit "Weiberwirtschaft": Bier, Bürokratie und bayerische Pointen
Iberl-Bühne: "Weiberwirtschaft" mit Bier und Bürokratie

Iberl-Bühne begeistert mit wortgewaltiger Komödie "Weiberwirtschaft"

An der Iberl-Bühne in München feiert Florian Günthers neueste Komödie "Weiberwirtschaft" große Erfolge. Das Stück vereint bayerischen Humor mit scharfsinniger Gesellschaftskritik und bietet dem Publikum einen temporeichen Theaterabend voller Pointen und starker Rollen.

Bier und Bürokratie als zentrale Motive

Die Handlung spielt in einem traditionellen Wirtshaus, wo Bier nicht nur Getränk, sondern "flüssiger Schmierstoff der Geselligkeit" ist. Die faule und stets angetrunkene Wirtin Traudl, gespielt von Daniela März, lehnt Wasser kategorisch ab: "Pfui Deifi. I trink do koa Wasser. Da schnacksln ja d' Fisch drin!" Doch plötzlich ist Nüchternheit gefordert, denn ein Hygiene-Inspektor aus der Stadt hat sich angekündigt.

Markus Neumaier verkörpert den pedantischen Bürokraten mit Karriereambitionen, der die Schankkonzession der Wirtschaft auf dem Prüfstand stellt. Als er eine Ratte entdeckt, erklärt die bauernschlaue Wirtin Burgi (Claudia Mabell) das Tier kurzerhand zum Hausdackel Wiggerl. Diese und viele weitere Versuche, die Fassade der Gaststätte sauber zu halten, führen zu turbulenten Verwicklungen.

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Starke Frauenpower auf der Bühne

Das Triumvirat aus Daniela März, Claudia Mabell und Sophie Reiml bildet das Herzstück der Inszenierung. Reiml spielt die nicht gerade helle Josephine, über die Tante Burgi trocken bemerkt: "Du bist zwar nicht der dümmste Mensch, aber an deiner Stelle würd ich hoffen, dass der nicht stirbt." Die drei Schauspielerinnen halten über drei Akte hinweg die Spannung in der einzigen Wirtsstuben-Kulisse aufrecht.

Regisseur und Autor Florian Günther gelingt dabei eine extrem hohe Humordichte, die auf Klischees setzt, ohne in Kalauer abzugleiten. Das Publikum wird charmant beschimpft und sogar in die Handlung einbezogen - etwa als harmloser Zombie für die verstorbene Großmutter.

Historisches Setting mit moderner Relevanz

Obwohl das Stück in der Prinzregentenzeit angesiedelt ist, bleiben die Themen erstaunlich aktuell. Die Macht der Bürokratie ist ungebrochen, und eine reine Weiberwirtschaft wirkt heute modern emanzipiert. Selbst Seitenhiebe auf Heuchelei und Korruption des katholischen Klerus finden noch ihren Platz, auch wenn sie im säkulareren Zeitalter nebensächlicher erscheinen.

Erotische Spannung entsteht durch vergangene Liebesgeschichten der Wirtsfrauen, die unerwartete Auswirkungen auf die aktuelle Schankkonzession haben. Wie im Dorfleben üblich, wird Pragmatismus großgeschrieben: "Fesch war der nicht, aber halt da" - und danach folgte eben die Schwangerschaft.

Schauspielkunst auf höchstem Niveau

Die vier Darsteller meistern die Herausforderung, über die gesamte Aufführungsdauer die Energie in der begrenzten Kulisse hochzuhalten. In den beiden Pausen darf zwar getrunken werden, aber für den Genuss der Vorstellung benötigt man keinen Alkoholrausch - der Gag-Rausch reißt das Publikum von selbst mit.

Am Ende retten sexuelle Abenteuer aus vergangenen Tagen zusammen mit der Eitelkeit und Karrieregeilheit des Bürokraten die Schankkonzession. Der Bayerische Brauerbund mag über rückläufigen Bierkonsum klagen, aber an der Iberl-Bühne wird das traditionsreiche Getränk gebührend gefeiert.

Die "Weiberwirtschaft" ist noch bis Mitte Februar im Augustiner Stammhaus an der Herzogspitalstraße 6 zu sehen und bietet einen wunderbaren Theaterabend, der mit Tempo, Witz und bayerischem Lokalkolorit überzeugt.

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