Kritik an Münchner 'Marat/Sade'-Inszenierung: Bossards Inszenierung überzeugt nicht vollständig
Kritik: Münchner 'Marat/Sade' überzeugt nicht vollständig

Kritik an Münchner 'Marat/Sade'-Inszenierung: Bossards Interpretation überzeugt nicht vollständig

Die aktuelle Inszenierung von Peter Weiss' berühmtem Drama Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade – kurz Marat/Sade – im Münchner Marstalltheater sorgt für kontroverse Diskussionen. Unter der Regie von Bossard präsentiert sich das Stück als seltsam aus der Zeit gefallen, eine vogelwilde Interpretation, die trotz bemerkenswerter darstellerischer Leistungen nicht vollständig zu überzeugen vermag.

Ringen um die richtige Haltung

Im Zentrum der Inszenierung steht das beständige Ringen um die angemessene Haltung gegenüber den revolutionären Ideen und der Gewalt, die das Stück thematisiert. Steven Scharf verkörpert den Marquis de Sade mit einer intensiven Präsenz, während Nicola Mastroberardino in der Doppelrolle als Ausrufer und Simonne Evrard eine vielschichtige Performance abliefert. Die dynamische Interaktion zwischen diesen Charakteren bildet einen der Höhepunkte der Aufführung.

Dennoch wirkt die gesamte Inszenierung stellenweise unausgegoren und verfehlt es, die zeitlose Aktualität von Weiss' Werk angemessen zu transportieren. Die gewählten ästhetischen Mittel erscheinen zuweilen überladen und lenken von der inhaltlichen Tiefe des Dramas ab. Besonders die Balance zwischen historischem Kontext und gegenwärtiger Relevanz gelingt nicht durchgängig, was zu einem Gefühl der Entfremdung beim Publikum führen kann.

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Starke Darstellerleistungen

Positiv hervorzuheben sind die durchweg starken Leistungen des Ensembles. Neben Scharf und Mastroberardino überzeugen auch die weiteren Darsteller mit hoher emotionaler Intensität und präziser Charakterzeichnung. Die choreografierten Szenen der Irrenanstalt von Charenton werden mit großer physischer Präsenz umgesetzt und schaffen bedrückende, mitunter beklemmende Atmosphären.

Die musikalische Untermalung und die Bühnenbildgestaltung tragen ebenfalls zur dichten Atmosphäre bei, können jedoch die grundlegenden Schwächen der Regiekonzeption nicht vollständig kompensieren. Die Inszenierung bleibt damit ein interessanter, aber letztlich nicht vollständig gelungener Theaterabend, der Fragen nach der angemessenen Interpretation klassischer Stoffe in der Gegenwart aufwirft.

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