Emotionale Premiere: Musical 'Wir sind am Leben' begeistert Berliner Publikum
Die fulminante Premiere des Musicals 'Wir sind am Leben' begeisterte am Samstagabend im historischen Theater des Westens in Berlin rund 1600 Zuschauer. Es wurde geweint, gelacht und ausgelassen gefeiert – ein Abend, der die Emotionen des Publikums von Beginn an einfing und bis zum letzten Vorhang nicht mehr losließ.
Musikalische Hommage an Anna R. von Rosenstolz
Zu den eingängigen Songs von Peter Plate (58) und Ulf Leo Sommer (55) lagen sich Menschen in den Armen und tanzten miteinander, als hätte dieses Musical einen längst verschütteten Raum der Erinnerung und Gemeinschaft wieder geöffnet. Das Werk ist der verstorbenen Rosenstolz-Frontfrau Anna R. (†55) gewidmet, was der Aufführung eine besondere emotionale Tiefe verleiht.
Familiengeschichte vor dem Hintergrund der 90er Jahre
Im Zentrum der Handlung stehen die Geschwister Nina (Celina dos Santos) und Mario (Markus Spagl) sowie ihre dominante Mutter Rosi (Steffi Irmen). Rosi betreibt in Wittenberg den 'Salon Rosie' und inszeniert sich selbstbewusst als 'Udo Walz des Ostens'. Die Figur ist laut, übergriffig und manchmal kaum auszuhalten – gerade das macht sie jedoch faszinierend und authentisch.
Aus diesem familiären Ausgangspunkt entwickelt sich eine berührende Geschichte über Aufbruch, Zugehörigkeit und die gesellschaftlichen Umbrüche der 90er Jahre. Die Regisseure Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck erzählen dies mit einem ausgezeichneten Gespür für Tempo und Dramaturgie.
Starke Darsteller und musikalische Highlights
Die Inszenierung vertraut dabei stark auf ihre exzellenten Darstellerinnen und Darsteller, was sich in jeder Szene auszahlt. Musikalisch bewegen sich die Songs von Plate und Sommer (zusammen mit Joshua Lange) zwischen mitreißendem Pop und emotionalen Balladen, ohne jemals überladen zu wirken. Einige Nummern wurden vom Publikum direkt aufgenommen – bei 'Supernova Discoslut' war die Begeisterung im Saal deutlich spürbar.
Eindrückliche Momente und prominente Gäste
Einer der ruhigeren, aber tief bewegenden Momente gehört Jörn Felix Alt als Bruno. Seine zurückgenommene Darstellung eines an HIV und Aids erkrankten Mannes ist subtil gespielt und gerade deshalb von großer Wirkung. In diesen Szenen wurde es im Saal merklich still.
Auffällig ist, wie ausgezeichnet der Abend die Balance zwischen schweren Themen und Leichtigkeit hält. Themen wie Wiedervereinigung, Krankheit und Verlust sind präsent, werden aber nicht übermäßig dramatisch ausgespielt. Stattdessen setzt die Inszenierung immer wieder auf intelligenten Humor, der vieles auffängt, ohne dabei beliebig zu werden.
Ein besonderer Höhepunkt entsteht, als Nina 'Die Schlampen sind müde' anstimmt: Der Abend kippt hier kurz in eine mitreißende Konzertstimmung, das Publikum geht voll mit, und die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum wird angenehm durchlässig. Solche magischen Augenblicke bleiben lange in Erinnerung.
Zahlreiche Prominente wollten sich dieses Musical-Spektakel nicht entgehen lassen. Unter den Gästen befanden sich unter anderem Lars Eidinger (50), Katarina Witt (60), Katy Karrenbauer (63) und Detlev Buck (63).
Ein Abend, der nachwirkt
Das Bühnenbild unterstützt die Erzählung perfekt und schafft sowohl intime als auch große Räume für die Handlung. Insgesamt handelt es sich um einen Theaterabend, der durch seine emotionale Authentizität, musikalische Qualität und herausragende Darstellerleistungen überzeugt. 'Wir sind am Leben' ist mehr als nur ein Musical – es ist ein Stück Zeitgeschichte, das unter die Haut geht und noch lange nach der Vorstellung nachwirkt.



