Ruhrfestspiele starten mit persischem Iran-Drama – Einreise der Schauspieler ungewiss
Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen beginnen in diesem Jahr ihr Schauspielprogramm mit einem bewegenden iranischen Flüchtlingsdrama, das in persischer Sprache aufgeführt wird. Das Stück wird mit deutschen und englischen Übertiteln präsentiert, um einem breiten Publikum zugänglich zu sein. Angesichts der angespannten politischen Lage im Nahen Osten und der damit verbundenen bürokratischen Hürden stellt die Einreise der Schauspieler aus dem Iran jedoch eine erhebliche Herausforderung dar.
Unsicherheit bei der Einreise der iranischen Künstler
Festival-Intendant Olaf Kröck äußerte bei der Vorstellung des Spielplans am Dienstag in Recklinghausen seine Hoffnung, dass die Schauspielgruppe um die renommierte Schauspielerin Fatemeh Motamed-Arya nach Deutschland einreisen kann. Das Festival steht über WhatsApp in Kontakt mit den Künstlern und hat bereits das Auswärtige Amt eingeschaltet, um die notwendigen Genehmigungen zu erwirken. Kröck betonte, dass man intensiv an einer Lösung arbeite, um die Gruppe nach Recklinghausen zu bringen. Sollte die Einreise nicht gelingen, wird es keine Ersatzinszenierung geben – das Stück würde komplett ausfallen. „Das ist auch ein Statement“, so Kröck, und unterstreicht damit die Bedeutung dieser Produktion für das Festival.
Das Stück „Das Kind“ thematisiert Flucht und Mutterschaft
Das Drama „Das Kind“ der iranischen Autorin Naghmeh Samini wird vom 4. bis 6. Mai aufgeführt und behandelt ein hochaktuelles Thema. In dem Stück werden drei Frauen mit einem Kind an einer europäischen Grenze aufgehalten. Im Verhör durch einen Grenzbeamten verleugnen alle drei Frauen die Mutterschaft, um die Einreisechancen des Kindes nicht zu gefährden. Diese emotionale und politisch relevante Inszenierung passt perfekt zum diesjährigen Festivalmotto „Erschrecken und Erstaunen“.
Festival-Programm und besondere Umstände
Das vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mitgetragene Theater-, Tanz- und Musikfestival im Ruhrgebiet startet traditionell am 1. Mai mit einem kulturellen Volksfest und läuft bis zum 13. Juni. Aufgrund eines umfangreichen Umbaus der Bühnentechnik im Großen Haus, der mehr als 18 Millionen Euro kostet, findet das Festival in diesem Jahr in einem eigens errichteten Festspielzelt mit knapp 500 Plätzen statt. Dort wird die Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel am 3. Mai die Eröffnungsrede halten.
Das Programm der Ruhrfestspiele umfasst mehrere Uraufführungen und Deutschlandpremieren. Zu den Highlights gehören:
- Katja Riemann in der Inszenierung „Ein wenig Licht. Und diese Ruhe“ des Schauspiels Hannover
- Katharina Thalbach mit Lesungen von Texten Erich Kästners
- Joachim Król mit Erzählungen von Franz Kafka
Diese vielfältigen Angebote unterstreichen die Bedeutung der Ruhrfestspiele als eines der führenden Kulturfestivals in Deutschland, das trotz logistischer und politischer Herausforderungen hochkarätige Produktionen präsentiert.



