Schwarze Komödie 'Achtsam morden' begeistert in Anklam
Im ausverkauften Anklamer Theater feierte die Vorpommersche Landesbühne die Premiere ihrer schwarzen Komödie 'Achtsam morden'. Das Stück setzt ganz auf den Spieltrieb des Theaters und befreit von Erwartungsdruck.
Ein Anwalt mit ungewöhnlicher Problemlösungsstrategie
Anwalt Björn Diemel betritt die Bühne in blutbesudeltem Overall und beteuert, kein gewalttätiger Mensch zu sein. Seinen ersten Mord beging er 'in bester Absicht' als Ergebnis einer achtsamen Lebensumstellung. So bleibt sein Maßanzug sauber und sein Gewissen rein. Der irrende Duft von Räucherstäbchen weht durch den Saal und in das Leben des überforderten Anwalts, dessen Achtsamkeitstherapeut ihm besinnliche Weisheiten mitgibt.
Getrieben von seinem clan-kriminellen Klienten, der ständig aus neuen Untaten befreit werden muss, der eiskalten Kanzlei, die solche Drecksarbeit auf ihn abwälzt, und den Erwartungen seiner Familie, für die er nie genug da sein kann, kommt Björn ins Handeln. Kaum ist ihm der erste Mord eher beiläufig 'passiert', mausert er sich zum zentralen Strippenzieher. Clever manipuliert er die rivalisierenden Clans zu seinem eigenen Vorteil, wobei er natürlich auch neue Bedrohungen abwenden muss - mit wiederum mörderischen Folgen.
Theaterspiel als Trumpf
Oliver Trautweins Inszenierung stellt sich mutig dem Erfolg der Romane von Karsten Dusse und der Netflix-Serie entgegen, indem sie ausdrücklich die Mittel des Theaters zelebriert. Neben der durchgängigen Figur des Björn Diemel spielen zwei Schauspieler sämtliche weitere Rollen, fallen dabei auch mal aus jeglicher Rolle mit einem gestressten Seitenhieb darauf, in jeder Szene jemand anders zu sein.
Die Einfachheit der Mittel überzeugt: vom schlichten Requisit für blutende Wunden bis zum unvollständigen Kostüm für den schnellen Wechsel. Ein besonderer Clou ist die von Bühnen- und Kostümbildnerin Gesine Ullmann umgesetzte Ausstattungsidee, die flotten Rochaden sichtbar macht mit flink übergeworfenen Kleidungsstücken und Accessoires, die auf einer üppig bestückten Traverse durchweg zur Hand sind.
Herausforderung für die Schauspieler
Felix Neander, der an der Vorpommerschen Landesbühne vor drei Jahren ein bemerkenswertes Solo mit Patrick Süskinds 'Kontrabaß' hinlegte, steht vor der schwierigen Herausforderung, dieses friedvolle Gleichmaß mit Spannung zu erfüllen. Inmitten von Bandenkrieg und Brutalität, nervösen Polizei-Ermittlungen, Anspannung und Hektik agiert sein Björn konstant ruhig, freundlich und entspannt.
So tödlich seine frisch erworbene Achtsamkeit für andere wird, so heilsam erweist sich das Morden für ihn selbst. Das Stück hinterfragt dabei, wie Erwartungsdruck und der Drang zur Selbstoptimierung unseren Alltag bestimmen. Ebenso zeigt es die erstaunliche Fähigkeit von Menschen, ihr - sogar mörderisches - Handeln als zwangsläufig, unausweichlich und letztlich bestmöglich zu erklären.
Weitere Vorstellungstermine
Weitere Vorstellungen von 'Achtsam morden' gibt es am 25. März und 4. April in der Blechbüchse Zinnowitz, am 27. März in der Barther Boddenbühne sowie am 2. April im Theater Anklam. Karten sind unter der Telefonnummer 03971 2688800 erhältlich.



