Tumulte bei Alice-Schwarzer-Lesung: Störer stürmen Bühne im Hamburger Schauspielhaus
Eine Lesung der bekannten Feministin Alice Schwarzer im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg ist am Sonntagabend in Tumulte ausgeartet. Mehrfach stürmten Demonstranten die Bühne, riefen lautstark ins Publikum und sorgten für erhebliche Unruhe im gesamten Saal. Viele der anwesenden Besucher reagierten auf die Störungen mit deutlichen Buh-Rufen und Unmut.
Gelassene Reaktion der 83-jährigen Feministin
Alice Schwarzer selbst blieb während der turbulenten Szenen erstaunlich gelassen auf ihrem Platz sitzen. Die 83-jährige Autorin beobachtete das Geschehen mit ruhiger Miene und wartete ab, bis sich die Lage wieder beruhigte. Später wandte sie sich mit deutlichen Worten an das Publikum: „Wir sind hier, um voneinander zu hören und uns auszutauschen. Wir müssen überhaupt nicht einer Meinung sein.“ Diese Aussage unterstrich ihren Willen zum Dialog trotz der massiven Proteste.
Bereits vor der Veranstaltung Proteste am Weltfrauentag
Schon vor Beginn der Lesung am Weltfrauentag hatten sich mehr als hundert Menschen vor dem Theatergebäude versammelt. Die Demonstranten protestierten lautstark gegen den Auftritt der umstrittenen Feministin. Ihr Hauptvorwurf: Alice Schwarzer vertrete einen transfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden „Radikalfeminismus“, der bestimmte Gruppen marginalisiere.
Lesung trotz massiver Kritik durchgeführt
Im Malersaal des Schauspielhauses las die Gründerin der Zeitschrift „Emma“ dennoch vor mehr als hundert Gästen aus ihrem neuen Buch „Feminismus pur. 99 Worte.“ Im Anschluss an die Lesung diskutierte sie mit der Schauspielerin Nina Gummich und stellte sich auch Fragen aus dem Publikum. Die Veranstaltung wurde trotz der Proteste wie geplant durchgeführt.
Offener Brief forderte Absage der Lesung
Bereits im Vorfeld der Veranstaltung hatte es massive Kritik gegeben. Mehrere Hundert Theatermacherinnen und Theatermacher hatten in einem offenen Brief gefordert, die Lesung abzusagen. Sie warfen Schwarzer vor, sie kämpfe „seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von Trans-Menschen und Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern“.
Schauspielhaus verteidigt Entscheidung für die Veranstaltung
Das Deutsche Schauspielhaus hielt trotz der Proteste an der Lesung fest. In einer Stellungnahme betonte das Theater, es finde es problematisch, Alice Schwarzer auf einzelne Positionen zu reduzieren. Sie sei eine streitbare Persönlichkeit, die die öffentliche Debatte nicht scheue. Meinungsvielfalt gehöre zur Demokratie, und man werde sich nicht daran beteiligen, Schwarzer „den Mund zu verbieten“ oder ihr die Möglichkeit zu nehmen, ihre Positionen öffentlich zu vertreten. Die Polizei war sowohl vor als auch während der Veranstaltung vor Ort, um für Sicherheit zu sorgen.



