Volker Looman über Reiche, Geld und Glück: „Je reicher, desto unglücklicher“
Looman: Reichtum macht unglücklich – ein Interview

„Nein, macht es nicht“ – diese klare Antwort gibt Finanzanalyst Volker Looman auf die Frage, ob Geld glücklich mache. In vier Jahrzehnten hat er rund 2000 Menschen beraten, zuletzt fast ausschließlich Millionäre mit Vermögen zwischen einer und 100 Millionen Euro. Seine Erkenntnis: Je reicher die Leute, desto unglücklicher sind sie.

Die Beobachtung: Reichtum und Unglück

Looman berichtet von einer typischen Situation: Ein älterer Mann mit 20 Millionen Euro auf dem Konto erhielt kürzlich die Diagnose Krebs. Er fragt sich nun, wofür er die letzten 40 Jahre geschuftet hat. „Er sagte, er sei froh, dass das Geld da ist – aber glücklich ist er nicht“, zitiert Looman seinen Klienten. Zwar räumt der Analyst ein, dass die Krankheit eine Rolle spielt, doch er betont: „Ich sehe das jeden Tag.“ Mit steigendem Vermögen nehme die Angst zu, alles zu verlieren – etwa durch Vermögenssteuern oder Enteignung.

Die Angst vor Verlust

Besonders deutlich werde dies bei Kurseinbrüchen an der Börse. „Wenn der Aktienmarkt wirklich mal einbricht, wie zu Corona oder beim Ukraine-Krieg, sehen die Leute nicht die acht Millionen, die noch da sind, sondern die zwei Millionen, die weg sind“, erklärt Looman. Diese ständige Alarmbereitschaft verhindere, dass die Wohlhabenden das Leben genießen könnten. Stattdessen lebten sie in Sorge vor finanziellen Verlusten, die oft weit weniger existenzbedrohend seien als die Ängste von Menschen mit geringerem Einkommen.

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Der Fall des Krebspatienten

Das Beispiel des Krebspatienten verdeutlicht für Looman den Kern des Problems: „Je reicher die Leute waren, desto unglücklicher waren sie.“ Der Mann habe jahrzehntelang gearbeitet und Vermögen aufgebaut, nur um dann im Angesicht einer schweren Krankheit zu erkennen, dass die Zeit nicht zurückkommt. Looman unterstreicht, dass diese Beobachtung kein Einzelfall sei, sondern einer Grundtendenz in seiner Beratungspraxis folge.

Fazit: Was wirklich zählt

Für den Finanzanalysten ist die Botschaft klar: Geld allein mache nicht glücklich. „Die meisten sind spießig und geizig“, sagt er über seine reichen Klienten – auch wenn er diese Charakterisierung nicht pauschalisiert. Vielmehr weist er darauf hin, dass die Fähigkeit, das Leben zu genießen und Sicherheit nicht nur in finanziellen Reserven zu suchen, entscheidend sei. Seine Empfehlung: Vermögen sollte nicht zum Selbstzweck werden, sondern als Mittel dienen, um ein erfülltes Leben zu führen.

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