Der Osten von Landsberg am Lech steht vor einem Wandel. Die Stadtverwaltung hat einen neuen städtebaulichen Rahmen vorgelegt, der zwei Schwerpunkte setzt: konsequente Nachverdichtung und die Entwicklung einer eigenständigen Identität für den Stadtteil. In den zuständigen Ausschüssen wurde der Entwurf bereits vorgestellt.
Wohnraummangel erfordert neue Ideen
Wie viele Kommunen im Umland von München verzeichnet auch Landsberg am Lech seit Jahren eine stetig steigende Nachfrage nach Wohnraum. Die Preise für Mieten und Eigentum liegen deutlich über dem bayerischen Durchschnitt. Da an den Ortsgrenzen nur noch begrenzt Flächen ausgewiesen werden sollen, rücken die Potentiale innerhalb der Stadt in den Fokus. Nachverdichtung gilt als ein wichtiger Baustein, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ohne die Landschaft zu verbrauchen. Dabei geht es um Dachausbauten, das Schließen von Baulücken, das Bebauen von Hinterhöfen und die Aufstockung bestehender Gebäude.
Der vorliegende Entwurf zeigt auf, an welchen Stellen eine höhere Bebauungsdichte sinnvoll möglich ist und aus Sicht der Planer auch städtebaulich vertretbar. So ist vorgesehen, die zentralen Achsen des Ostens entlang des öffentlichen Nahverkehrs zu verdichten. Geplant ist eine moderat erhöhte Geschossigkeit, die sich in die Umgebung einfügt. Gleichzeitig sollen ausreichend Grün- und Freiflächen erhalten bleiben, um die Lebensqualität zu sichern.
Mehr als nur Bauen: Die Identität des Ostens
Doch der Plan beschäftigt sich nicht ausschließlich mit Bauvolumen und Grundstücksgrößen. Er widmet sich der Frage, wie der Osten als Stadtteil erkennbar wird. In der Vergangenheit sei das Gebiet vor allem als Schlafvorort wahrgenommen worden, hieß es aus der Bürgerschaft. Es fehle an einem Ort, der den Stadtteil zusammenbinde. Diese Lücke soll mit einem neuen Zentrum geschlossen werden. Vorgesehen ist die Entwicklung eines Urbanen Bereichs an der Ecke der Hauptachsen, in dem sich Handel, Dienstleistungen, Wohnen und Freizeit mischen.
Eine zweite Säule des Konzepts ist die Durchwegung. Ein zusammenhängendes Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer soll die einzelnen Quartiere verbinden und an die Innenstadt anbinden. Auch die Qualität der öffentlichen Räume soll verbessert werden: Bäume, Sitzgelegenheiten und kleine Plätze sollen zum Verweilen einladen, wie es in dem Papier heißt.
Eine besondere Rolle spielen die vorhandenen sozialen Einrichtungen. Kindergärten, Schulen und Seniorenangebote sollen gestärkt und gegebenenfalls an die neuen Wohnformen angepasst werden. Auch der Einzelhandel in den kleinen Versorgungszentren soll unterstützt werden, um kurze Wege zu ermöglichen.
Beteiligung der Bürger ist fester Bestandteil
Die Erarbeitung des Konzepts wäre ohne die Mitsprache der Anwohner nicht möglich gewesen. In mehreren Werkstätten und Online-Beteiligungen haben Bürger ihre Ideen und Kritik artikuliert. Häufig genannt wurden Themen wie Verkehrssicherheit, Lärm, aber auch Wünsche nach mehr Begegnungsstätten. Aus Sicht der Stadtverwaltung sind viele dieser Anregungen in den Entwurf eingeflossen. So wurden etwa zusätzliche Querungshilfen an vielbefahrenen Straßen in den Plan aufgenommen.
Die Beteiligung ist mit der Vorlage im Ausschuss keineswegs abgeschlossen. In den kommenden Monaten sind weitere Informationsveranstaltungen geplant, in denen die Gelegenheit besteht, den Entwurf zu kommentieren. Die Verwaltung will sicherstellen, dass die Bevölkerung auch im weiteren Verfahren die Möglichkeit hat, sich einzubringen. Die endgültige Beschlussfassung obliegt dem Stadtrat und soll bis zum Ende des Jahres erfolgen.
Chancen und Herausforderungen
Mit dem Konzept verbindet die Stadt die Hoffnung, die Entwicklung des Ostens in geordnete Bahnen zu lenken. Gegenüber einem ungesteuerten Bauen im Bestand bietet der Rahmenplan Sicherheit für Anwohner und Investoren. Man wisse, wo eine Entwicklung stattfinden könne und wo nicht, erklärt die Stadtbaurätin in der Sitzung. Das schaffe Planbarkeit.
Kritiker äußern dennoch Bedenken. Sie fordern, dass mehr besondere Aufmerksamkeit auf die soziale Mischung gelegt wird. Nachverdichtung dürfe nicht dazu führen, dass angestammte Bewohner verdrängt werden. Deshalb sind im Konzept auch geförderte Wohnungsbauanteile vorgesehen. Ein weiterer Punkt ist die Verkehrsinfrastruktur. Zusätzliche Wohnungen bedeuten mehr Verkehr. Die Stadt plant deshalb einen Ausbau des ÖPNV und verbesserte Radwege, um den Umstieg vom Auto auf alternative Verkehrsmittel zu erleichtern.
Ein langfristiger Prozess
Die Umsetzung des Rahmenplans wird sich über viele Jahre erstrecken. Es handelt sich nicht um ein Projekt, das über Nacht umgesetzt wird. Vielmehr werden einzelne Maßnahmen schrittweise realisiert, je nach Verfügbarkeit von Grundstücken und Finanzmitteln. Erste Projekte in kleinerem Umfang könnten bereits im kommenden Jahr starten, etwa die Umgestaltung eines zentralen Platzes oder ein Bauprojekt auf einem städtischen Grundstück.
Der Osten Landsbergs soll auf diese Weise nicht nur wachsen, sondern auch an Qualität gewinnen. Die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, einen lebendigen Stadtteil zu schaffen, der zugleich bezahlbaren Wohnraum bietet und eine eigene Adresse besitzt. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.



