Die Kehrtwende ist perfekt: Nach wochenlangen Verhandlungen hat sich die Stadt Jena bewegt. Rot-Weiß Erfurt darf beim Thüringenderby am 9. August mit 1415 Gästetickets im Ernst-Abbe-Sportfeld rechnen – satte 615 mehr als noch im Mai, als das Gastkontingent auf 800 begrenzt war und Rot-Weiß die Karten demonstrativ zurückgab. Damit wird die Gästekapazität nahezu vollständig ausgeschöpft: 1100 Stehplätze und 315 Sitzplätze stehen den Erfurter Anhängern zur Verfügung.
Schon im Mai hatte die Limitierung für mächtig Ärger gesorgt. Die Vereinsführung zog damals die Reißleine und verzichtete komplett auf die Tickets. Die Botschaft an die Verantwortlichen war eindeutig: Ein Derby lebt von beiden Fanlagern – nicht von leeren Gästeblöcken. Nach wochenlangen Gesprächen zwischen der Stadt, den Ordnungsbehörden, dem Stadionbetreiber und beiden Vereinen folgte nun die Einigung. Die Sicherheitslage wird inzwischen anders bewertet als beim Aufeinandertreffen am letzten Spieltag, als für Jena noch der Aufstieg auf dem Spiel stand.
Konstruktiver Dialog statt Härtefall
Beim FC Carl Zeiss Jena spricht man von einem „konstruktiven Dialog“, der zu diesem Ergebnis geführt habe. Der Verein sieht in der deutlich höheren Ticketzahl ein positives Signal für alle Beteiligten. „Das Derby ist ein besonderes Spiel, das von seinen Fans lebt“, heißt es aus Jena. Die Sicherheitsträger hätten den Erhöhungen zugestimmt, weil die Rahmenbedingungen nun andere seien. Man hoffe auf ein stimmungsvolles und friedliches Fußballfest – ohne Provokationen auf und neben dem Platz.
Die Erfurter Verantwortlichen zeigen sich entsprechend erleichtert. Geschäftsführer Franz Gerber erklärt: „Der Zusammenhalt aller Rot-Weißen hat deutlich gemacht, dass es bei dieser Frage nicht allein um die Anzahl der Eintrittskarten geht, sondern um eine angemessene Beteiligung der Fanlager an einem Spiel mit großer sportlicher Bedeutung und langer Tradition.“ Der Verein sei seinen Fans zu Dank verpflichtet, die in den vergangenen Wochen immer wieder auf die Bedeutung eines großen Gästeblocks hingewiesen hätten.
„Vorfreude ist noch größer“ – Trainer und Sportchef fiebern mit
Auch Fabian Gerber, Sportchef und Trainer von Rot-Weiß Erfurt, ordnet die Entwicklung positiv ein: „Die Vorfreude auf das Thüringenderby ist dadurch noch einmal größer. Gemeinsam mit unseren Fans wollen wir in Jena alles dafür geben, dieses besondere Spiel erfolgreich zu gestalten.“ Die Mannschaft freue sich darauf, von zahlreichen eigenen Anhängern unterstützt zu werden. Das könne im engen Ernst-Abbe-Sportfeld durchaus ein Faktor sein – schließlich seien die Ränge sonst fest in Jenaer Hand.
Mit 1415 Gästetickets bleibt das Kontingent zwar hinter der maximal möglichen Zahl zurück, doch es ist eine deutliche Aufstockung gegenüber den 800 im Mai. Beide Vereine wollen nun gemeinsam mit den Behörden darauf hinarbeiten, dass die Partie trotz der Rivalität fair und friedlich über die Bühne geht. Geplant ist außerdem ein enger Austausch zwischen den Fanbeauftragten, um mögliche Eskalationen frühzeitig zu vermeiden.
Ticketverkauf: Nur für Mitglieder und Dauerkarteninhaber
Jetzt richtet sich der Blick auf den Verkauf der 1415 Karten. Rot-Weiß Erfurt will die endgültigen Modalitäten am 3. August bekanntgeben. Fest steht bereits: Verkauft wird ausschließlich in Erfurt – womöglich beim Heimspiel am kommenden Mittwoch gegen Tasmania Berlin. Online-Tickets wird es nicht geben, um eine gerechte Verteilung zu gewährleisten. Käufer müssen nachweislich Mitglied des Vereins oder Inhaber einer Dauerkarte sein. Dabei gilt: maximal eine Karte pro Person. Das gilt auch für Fans, die sowohl Mitglied als auch Dauerkartenbesitzer sind.
Die Nachfrage dürfte das Angebot bei Weitem übersteigen. Der Verein rät daher, die offiziellen Kanäle zu verfolgen und sich auf eine mögliche Warteschlange einzustellen. Wie viele Tickets letztlich für den freien Verkauf übrig bleiben, steht noch nicht fest. Die Entscheidung aus Jena dürfte jedenfalls dafür sorgen, dass das Thüringenderby am 9. August nicht nur sportlich, sondern auch von der Atmosphäre her ein Highlight wird. Die Voraussetzungen sind geschaffen – nun sind die Fans und die Mannschaften gefragt.



