Berlins Senatorin für Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe (SPD), hat beim Christopher Street Day (CSD) in Hamburg anhaltende Solidarität mit queeren Menschen angemahnt. „Ihre Stimmen gehören an den Runden Tisch und ihre Forderungen in die Gesetzgebung“, sagte die SPD-Politikerin. Man wolle mit der Community darüber sprechen, „was jetzt wirklich hilft und sie einbeziehen“.
Kiziltepe bezog sich damit auf den Anschlag vom vergangenen Samstag am Rande des Berliner CSD. Dieser dürfe nicht dazu führen, „dass sich queere Menschen aus Angst zurückziehen oder weniger sichtbar werden“, sagte sie. Solidarität dürfe keine Eintagsfliege sein. Sie müsse auch dann tragen, „wenn die öffentliche Aufmerksamkeit weiterzieht“. Gerade jetzt komme es darauf an, Haltung zu zeigen und zusammenzustehen.
Anschlag mit Auto und Machete in Berlin
Bei dem Anschlag in Berlin war ein 21 Jahre alter Mann am vergangenen Samstag mit einem Auto in eine Menschengruppe gefahren. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er anschließend weitere Menschen mit einer Machete angegriffen haben. Eine Frau aus Polen wurde getötet, 31 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Der Täter wurde als islamistischer Attentäter eingestuft. Er wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz erschossen.
Der Anschlag ereignete sich am Rande des Christopher Street Day, der in Berlin traditionell Hunderttausende Menschen auf die Straßen zieht und als Symbol für Selbstbestimmung, Toleranz und die Rechte queerer Menschen gilt. Dass ausgerechnet dieses friedliche Zeichen der Vielfalt zum Ziel eines Angriffs wurde, hat bundesweit Entsetzen und Trauer ausgelöst. Der Vorfall wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Gefahren, denen queere Menschen ausgesetzt sind – nicht nur bei Großereignissen, sondern auch im Alltag.
„Jetzt erst recht“ – Solidarität statt Rückzug
Kiziltepe rief die queere Community auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Wir halten zusammen und machen gemeinsam weiter. Jetzt erst recht“, betonte die Senatorin in Hamburg. Es wäre das falsche Signal, wenn queere Menschen nun ihre Sichtbarkeit einschränkten. Im Gegenteil: Gerade jetzt müsse die Community zeigen, dass sie sich nicht aus dem öffentlichen Raum drängen lasse. Vielfalt sei ein Gewinn für die ganze Stadt und müsse sichtbar bleiben.
Die Welle der Solidarität nach dem Anschlag ist groß, doch sie darf nicht schnell abebben. Entscheidend ist, dass aus der Anteilnahme dauerhaftes Engagement wird. Dazu gehört, queere Menschen nicht nur bei Großevents zu unterstützen, sondern auch im Alltag – etwa in Schulen, am Arbeitsplatz und in der Politik. Anhaltende Solidarität zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern in konkreten Taten.
Forderungen der Community an den Runden Tisch
Die Senatorin verband ihre Solidaritätsadresse mit einer klaren politischen Forderung: Die Stimmen der queeren Community müssten ernst genommen werden. „Ihre Stimmen gehören an den Runden Tisch und ihre Forderungen in die Gesetzgebung“, sagte Kiziltepe. Man wolle in den Austausch darüber treten, „was jetzt wirklich hilft und sie einbezieht“. Dazu gehörten Schutzmaßnahmen für Veranstaltungen, bessere Unterstützung von Betroffenen und konsequente Strafverfolgung von Hasskriminalität.
Kiziltepe verwies dabei auf die besondere Verantwortung der Politik. Es reiche nicht, Anteilnahme zu bekunden, wenn danach in Gremien und Ausschüssen Entscheidungen getroffen würden, an denen die Community nicht beteiligt sei. Nötig seien echte Teilhabe und ein kontinuierlicher Dialog. Nur so könne Vertrauen entstehen und die Sicherheit queerer Menschen nachhaltig gestärkt werden.
Berlin als Ort der Vielfalt
Die Hauptstadt steht wie kaum eine andere deutsche Stadt für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Der Berliner CSD ist eine der größten Pride-Veranstaltungen Europas und zieht jedes Jahr zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an. Der Anschlag hat in dieser Szene eine tiefe Verunsicherung hinterlassen. Viele fragen sich, ob sie Veranstaltungen in Zukunft weiterhin unbeschwert besuchen können. Ob und wie die Sicherheitskonzepte angepasst werden, blieb zunächst offen.
Kiziltepe zeigte sich überzeugt, dass ein Zeichen der Stärke von den kommenden Veranstaltungen ausgehen werde. Die Community sei verletzt, aber nicht gebrochen. Der Anschlag habe gezeigt, wie notwendig es sei, für die eigenen Rechte einzustehen – und wie viele Verbündete es dabei gebe. „Jetzt erst recht“ sei deshalb auch ein Auftrag an die gesamte Gesellschaft, solidarisch zu bleiben.



