Projekt Insekta: Wildbienen und Tagfalter nehmen in Thüringen zu
Projekt Insekta: Wildbienen und Tagfalter nehmen zu

Erfurt – Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW) sieht beim Insektenschutz erste konkrete Erfolge. Wie das Umweltministerium mitteilte, haben erste wissenschaftliche Monitoring-Ergebnisse auf den Flächen des Projekts „Insekta“ eine deutliche Zunahme von Wildbienen und Tagfaltern gezeigt. Das Projekt war vor vier Jahren gestartet worden.

„Mit dem Schutz der Insekten stärken wir die Bestäubungsleistung in der Landwirtschaft und verbessern die Lebensbedingungen bedrohter Feld- und Wiesenvögel wie Grauammer und Feldlerche“, betonte Kummer. Die ersten Daten bestätigten den Ansatz, dass sich der jahrzehntelange Rückgang von Insektenarten und ihrer Biomasse mit einfachen Maßnahmen umkehren lasse, hieß es in der Mitteilung.

Hintergrund: Massiver Insektenrückgang

Das Projekt „Insekta“ reagiert auf einen seit Jahrzehnten beobachteten massiven Rückgang der Insektenarten und ihrer Biomasse. Insekten sind eine zentrale Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten und unverzichtbar für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Der Verlust artenreicher Lebensräume in der Agrarlandschaft gilt als ein wesentlicher Treiber dieses Rückgangs.

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Insekten erfüllen zentrale Ökosystemfunktionen: Sie bestäuben nicht nur Nutzpflanzen, sondern zersetzen organisches Material, bestäuben Wildpflanzen und dienen zahlreichen Tieren als Nahrung. Ihr Schwund zieht daher weite Kreise – von der Biodiversität bis zu den Ernteerträgen. Umso bedeutender ist die Erkenntnis, dass sich der Trend auf den Projektflächen umkehren lässt.

Blühflächen und strukturreiche Lebensräume

Für das Projekt wurden unter anderem Blühflächen geschaffen, artenreiche Ränder und weitere strukturreiche Lebensräume angelegt. Auch kommunale Grünflächen wurden ökologisch aufgewertet. Diese Flächen bieten Wildbienen und Tagfaltern Nahrung und Nistmöglichkeiten. Tagfalter profitieren besonders von blütenreichen Säumen, während Wildbienen auf ein vielfältiges Angebot heimischer Blütenpflanzen angewiesen sind.

Begleitet werden die Maßnahmen von einem wissenschaftlichen Monitoring. Auf den Projektflächen werden Wildbienen und Tagfalter regelmäßig erfasst, um Veränderungen der Bestände zu dokumentieren. Die nun vorgelegten Daten sind die ersten Zwischenergebnisse dieses Monitorings und zeigen laut Ministerium eine deutliche Zunahme beider Insektengruppen. Die Daten fließen in die wissenschaftliche Auswertung ein, die bis zum Projektende fortgeführt wird.

Bis zum Jahr 2028 sollen insgesamt 625 Hektar mit solchen Maßnahmen gestaltet werden – das entspricht einer Fläche von rund 6,25 Quadratkilometern. Mehr als die Hälfte dieser Flächen sei bereits realisiert, teilte das Ministerium mit. Damit sei ein wichtiger Zwischenstand erreicht, um die Wirksamkeit des Ansatzes wissenschaftlich zu belegen.

Beratung gegen Lichtverschmutzung

Ergänzend werden Kommunen und weitere Akteure zur Reduzierung von Lichtverschmutzung beraten. Nächtliche Beleuchtung kann Insekten anlocken und desorientieren, was ihre Fortpflanzung und ihr Überleben beeinträchtigt. Empfohlen werden etwa der Einsatz insektenfreundlicher Leuchtmittel und abschirmender Beleuchtungsvarianten, damit das Licht gezielt nur dorthin fällt, wo es benötigt wird. Besonders betroffen sind nachtaktive Insekten wie Nachtfalter, die von künstlichen Lichtquellen angezogen werden können.

Das Ministerium wertet die bisherigen Ergebnisse als Bestätigung des Projektansatzes. „Die ersten Monitoring-Ergebnisse auf den Projektflächen bestätigen diesen Ansatz“, hieß es. Zugleich machte das Ministerium deutlich, dass der Insektenschutz eine Daueraufgabe bleibt – die Flächen müssten langfristig gepflegt und weiterentwickelt werden.

Bedeutung für Landwirtschaft und Vogelwelt

Die Zunahme von Wildbienen hat unmittelbare Bedeutung für die Landwirtschaft: Wildbienen übernehmen einen erheblichen Teil der Bestäubung von Obst- und Gemüsekulturen. Eine stabile Insektenpopulation sichert so Erträge und Biodiversität. Eine hohe Insektendiversität gilt als Indikator für die Gesundheit von Agrarökosystemen. Auch bedrohte Feld- und Wiesenvögel wie die Grauammer und die Feldlerche profitieren von einem reicheren Insektenangebot, das ihnen als Nahrung dient.

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Beide Vogelarten sind Bodenbrüter und auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot während der Brutzeit angewiesen. Ihr Bestand ist vielerorts rückläufig, weil es an geeigneten Lebensräumen und ausreichend Insekten fehlt. Gelingt es, die Insektenvielfalt in der Agrarlandschaft zu erhöhen, verbessern sich auch die Überlebenschancen dieser Arten.

Bis zum Jahr 2028 soll das Projekt „Insekta“ weiter ausgebaut werden. Ob sich die positive Entwicklung langfristig stabilisiert, sollen weitere Monitoring-Jahre zeigen. Die Zwischenbilanz nach vier Jahren lässt nach Einschätzung des Umweltministeriums jedoch bereits den Schluss zu, dass der Negativtrend mit einfachen Maßnahmen gestoppt werden kann. Dazu werden die Projektflächen weiter wissenschaftlich begleitet und die Maßnahmen bei Bedarf angepasst.