Der massive Waldbrand in der französischen Gironde ist nach offiziellen Angaben unter Kontrolle. Innenminister Laurent Nuñez sagte am Samstag bei einer Pressekonferenz, das Feuer sei „unter Kontrolle, es breitet sich nicht mehr aus“ – er sprach vom größten Waldbrand in Frankreich seit 1949.
Der Brand war vor mehr als einer Woche in einem Kiefernwald nahe Bordeaux ausgebrochen. Er hat bislang 42.000 Hektar verwüstet und rund 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Nuñez warnte, es gebe weiterhin „aktive Zonen“, weshalb die Rückkehr in alle Gebiete noch nicht möglich sei.
Var: Wieder aufgeflammtes Feuer bereitet Sorge
Während sich die Lage bei Bordeaux entspannt, gibt ein erneut aufgeflammter Brand im Département Var Anlass zur Sorge. Das Feuer zwischen Marseille und Cannes hat sich am Freitag innerhalb weniger Stunden auf über 1.000 Hektar ausgebreitet. Laut Nuñez handelt es sich um ein Hochrisikogebiet, vor allem wegen erwarteter starker und trockener Winde am Nachmittag.
Nach Angaben der Präfektur sind 1.500 Feuerwehrleute im Einsatz, unterstützt von sechs Löschflugzeugen und fünf Helikoptern.
Spanien: Weitgehende Entwarnung, aber noch 46 Brände
Auch Spanien kämpft weiter gegen Waldbrände. Das Portal „Incendios España“, das Daten aus allen 17 autonomen Regionen und zwei autonomen Städten auswertet, verzeichnet derzeit 46 aktive Brände, darunter in Kastilien-León, Katalonien, Valencia und Kastilien-La Mancha. Die verheerenden Feuer in Madrid, Ávila und Toledo gelten inzwischen als weitgehend eingedämmt.
Im nordwestlichen Zamora, bei Fermoselle nahe der Grenze zu Portugal, entspannte sich die Lage am Samstagmorgen nach nächtlichen Löscharbeiten leicht; auch die Luftfeuchtigkeit stieg, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Regionalregierung. Allerdings sollte das Wetter am Nachmittag mit erstarkenden Winden und hohen Temperaturen wieder kritischer werden. Auch in der Provinz León waren Brände aktiv, etwa in Vega de Espinareda.
Erleichterung gibt es dagegen in Castellón im Osten: Der große Brand im Vall d’Uixó nördlich von Valencia, der mehr als 9.500 Hektar zerstörte, breitete sich nach Behördenangaben nicht weiter aus. Die meisten Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen wurden aufgehoben.
Türkei: Fast alle Feuer unter Kontrolle
In der Türkei kämpften Einsatzkräfte am Samstag den vierten Tag in Folge gegen zahlreiche Waldbrände. Landwirtschafts- und Forstminister Ibrahim Yumakli sagte in Istanbul: „Derzeit gibt es keine Brände mehr, die eine Gefahr darstellen.“ 258 der 260 Feuer im Land, vornehmlich im Westen und Süden, seien unter Kontrolle. Starke Winde erschwerten jedoch die Löscharbeiten, so Yumakli. Da sich einige Brände schnell ausbreiteten, ordneten die Behörden vorsorglich weitere Evakuierungen an.
Griechenland: Feuerwalze bedroht Athen
Deutlich dramatischer ist die Lage in Griechenland. Nahe der Ortschaft Porto Germeno am Golf von Korinth, rund 60 Kilometer westlich von Athen, trieb der Wind am Samstag eine Feuerwalze über Hügel und Berge. Fernsehbilder des Senders ERTnews zeigten Flammen, die doppelt so hoch schlugen wie die gut 20 Meter hohen Aleppo-Kiefern des Waldes.
Wegen der starken Winde konnten keine Löschflugzeuge eingesetzt werden; die Feuerwehr konzentrierte sich auf den Boden, wo man sich teils nicht einmal nähern konnte. Hunderte Kräfte waren im Einsatz. Auch weiter westlich, in der Region Fokida, tobte ein Feuer ungebremst; die Ortschaft Skaloma und umliegende Dörfer wurden evakuiert. Griechische Medien sprachen von „apokalyptischen Bildern“: Das Meer spiegelte den Himmel grau-rot, die Sonne leuchtete dumpf durch den dichten, schwarzen Rauch.
Die Feuerwehr hoffte auf ein kleines Zeitfenster am frühen Abend, wenn der Wind nachlässt und Löschflugzeuge sowie -hubschrauber zum Einsatz kommen könnten. Für Sonntag ist ebenfalls weniger Wind angekündigt. Viele Anwohner hoffen, dass es für ihre Häuser nicht zu spät ist.
Dagegen hat die Feuerwehr den großen Waldbrand im Süden der Insel Kreta im Griff. Rund 220 Feuerwehrleute sind weiterhin damit beschäftigt, Glutnester zu löschen, berichtete die Zeitung „Kathimerini“. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen; vermutet wird ein Zusammenhang mit Schäden an Strommasten. Immerhin: Der beliebte Palmenwald von Preveli, einer der wenigen natürlichen Palmenwälder Europas, wurde nur teilweise beschädigt.
Für Griechenland deuten sich bessere Bedingungen an: Die Winde werden etwas schwächer, die Prognose der Waldbrandgefahr des Zivilschutzes liegt für weite Teile des Landes weiterhin bei „hoch“ bis „sehr hoch“, aber nicht mehr auf der höchsten Alarmstufe Rot.



