Nach CSD-Anschlag: Imame – Muslime sind Verbündete, nicht Verdächtige
Nach CSD-Anschlag: Imame sehen Muslime als Verbündete

Die Angst vor pauschaler Verurteilung ist groß nach dem islamistischen Anschlag auf eine CSD-Veranstaltung. Zwei Imame melden sich nun öffentlich zu Wort und stellen klar, dass die muslimische Gemeinschaft Teil der Lösung sein will – und nicht als Problem gesehen werden darf. Der Imam der Khadija-Moschee in Berlin-Pankow, Sharjil Khalid, geht dabei noch einen Schritt weiter: Ohne die Einbindung der muslimischen Community werde die Deradikalisierung von Jugendlichen nicht gelingen.

Der Anschlag, der sich gegen die queere Community richtete, hat bundesweit Entsetzen ausgelöst. In der Folge befürchten viele Musliminnen und Muslime, unter Generalverdacht gestellt zu werden. Die beiden Imame wollen dem entgegentreten – mit einer klaren Botschaft: Muslime sind Verbündete im Kampf gegen Extremismus, nicht Verdächtige.

Sorge vor Generalverdacht

Die Sorge, dass die gesamte muslimische Gemeinschaft für die Taten einzelner Extremisten verantwortlich gemacht wird, ist nach Angaben der Imame allgegenwärtig. Sie betonen, dass die überwältigende Mehrheit der Musliminnen und Muslime den Anschlag verurteile und vor Ort Solidarität zeige. Genau diese Verbundenheit sei ein entscheidender Faktor in der Präventionsarbeit.

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Wer Muslime pauschal in die Nähe des Terrorismus rücke, so die Imame, spiele Extremisten in die Hände. Ausgrenzung und Misstrauen seien Nährboden für Radikalisierung, nicht deren Lösung. Deshalb sei es so wichtig, dass Politiker und Sicherheitsbehörden differenziert kommunizieren.

Deradikalisierung nur mit der Gemeinschaft

Sharjil Khalid, Imam der Khadija-Moschee in Pankow, ist sich sicher: Die Deradikalisierung von Jugendlichen funktioniert nur mit der muslimischen Gemeinschaft. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen – einem der zwei Imame, die in dem Artikel zu Wort kommen – plädiert er dafür, Moscheen als Partner zu behandeln. Sie seien Orte des Vertrauens, an denen Familien und Jugendliche eher Hilfe suchten als bei Behörden.

Die beiden Geistlichen sehen die Aufgabe ihrer Gemeinden darin, frühzeitig Zeichen von Radikalisierung zu erkennen und Ansprachen zu ermöglichen. Gleichzeitig gehe es darum, ein Gegengewicht zu extremistischer Propaganda zu schaffen – durch religiöse Bildung, Jugendarbeit und konkrete Unterstützung bei Alltagsproblemen. In ihren Gemeinden machen sie die Erfahrung, dass Jugendliche eher offen für Gespräche sind, wenn sie sich akzeptiert fühlen. Eine wertschätzende Atmosphäre und echte Zuwendung seien oft wirkungsvoller als jede Strafdrohung.

Präventionsexperten weisen seit Jahren darauf hin, dass erfolgreiche Deradikalisierung stark von Vertrauenspersonen abhängt, die Zugang zu gefährdeten Jugendlichen haben. Genau diese Rolle können Imame und Gemeindemitglieder übernehmen, wenn sie nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Der Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit – zwischen Sicherheitsbehörden, Schulen, Sozialarbeitern und religiösen Gemeinden.

Ein Appell an Politik und Gesellschaft

Die beiden Imame betonen, dass die muslimische Gemeinschaft bereits jetzt Verantwortung übernehme. Sie verurteilen den Anschlag auf die CSD-Veranstaltung öffentlich und stellen sich solidarisch an die Seite der Betroffenen. Diese Haltung brauche Verstärkung, nicht Konfrontation.

Der Anschlag auf den Christopher Street Day hat eine Debatte über Sicherheit und Extremismus ausgelöst. Für die Imame ist klar, dass Sicherheit nur zusammen mit der Zivilgesellschaft erreicht werden kann. Sie rufen dazu auf, die muslimische Gemeinschaft aktiv in die Deradikalisierungsarbeit einzubeziehen – nicht als Beobachter, sondern als Partner.

Letztlich geht es um eine Grundsatzentscheidung: Behandelt die Gesellschaft Muslime als Teil des Problems, wird sie den Kampf gegen Extremismus verlieren. Behandelt sie sie als Teil der Lösung, entsteht ein Bündnis, das Jugendliche frühzeitig erreicht und Radikalisierung verhindert. Sharjil Khalid und sein Kollege haben dafür eine klare Botschaft formuliert.

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