In Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg entstehen derzeit zwei Wohnungsbauprojekte auf Flächen mit besonderer historischer Bedeutung. Das eine Projekt, genannt B.Yard, befindet sich an der Straße der Pariser Kommune in Friedrichshain, wo früher ein Berliner Skandalhaus stand. Das andere Neubauprojekt im Bezirk liegt auf einem ehemaligen Armenfriedhof.
Projekt B.Yard auf dem Gelände eines ehemaligen Skandalhauses
Das erste Projekt, B.Yard, wird auf dem Grundstück des früheren sogenannten Skandalhauses an der Straße der Pariser Kommune errichtet. Dieses Gebäude war in den 1990er Jahren berüchtigt für seine chaotischen Zustände und illegalen Aktivitäten. Nach dem Abriss des alten Gebäudes soll hier nun ein moderner Wohnkomplex entstehen. Die Visualisierungen des Architekturbüros Tchoban Voss Architekten zeigen ein Ensemble aus mehreren Gebäuden mit begrünten Innenhöfen. Geplant sind sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen.
Neubau auf dem ehemaligen Armenfriedhof
Das zweite Projekt betrifft eine Fläche, die einst als Armenfriedhof diente. Dieser Friedhof wurde im 19. Jahrhundert für die Bestattung von mittellosen Verstorbenen genutzt und später aufgegeben. Die genaue Lage des Friedhofs wird vom Bezirksamt nicht öffentlich gemacht, um Grabschändungen zu vermeiden. Auf dem Gelände sollen nun ebenfalls Wohnungen entstehen. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, und die Fertigstellung ist für 2028 geplant.
Historische Bedeutung der Grundstücke
Beide Grundstücke haben in Berlin einen besonderen Stellenwert, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der ehemalige Armenfriedhof erinnert an die soziale Not im Berlin des 19. Jahrhunderts, während das Skandalhaus für die wilden Jahre nach der Wiedervereinigung steht. Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann (Grüne), betonte die Bedeutung einer sensiblen Stadtentwicklung: „Wir müssen bei Bauprojekten immer die Geschichte des Ortes berücksichtigen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen.“
Zahlen und Fakten zu den Projekten
Insgesamt sollen auf beiden Flächen rund 400 Wohneinheiten entstehen. Davon entfallen etwa 250 auf das B.Yard-Projekt und 150 auf das Friedhofsgelände. Ein Teil der Wohnungen wird als geförderter Wohnraum ausgewiesen. Die Investitionssumme liegt im dreistelligen Millionenbereich. Die Projekte sind Teil der Berliner Wohnungsbauoffensive, die bis 2030 den Bau von 200.000 neuen Wohnungen vorsieht.
Kritik und Bedenken aus der Bevölkerung
In der Bevölkerung gibt es jedoch auch Kritik. Anwohner befürchten, dass durch die Neubauten die historische Identität der Orte verloren geht. Eine Bürgerinitiative fordert, den ehemaligen Armenfriedhof als Gedenkstätte zu erhalten. „Man kann nicht einfach über die Gräber der Toten hinweg bauen“, sagte ein Sprecher der Initiative. Das Bezirksamt versichert, dass die sterblichen Überreste umgebettet und eine Gedenktafel angebracht werden.
Ausblick und weitere Entwicklung
Die Bauarbeiten an beiden Projekten sollen bis 2028 abgeschlossen sein. Die ersten Wohnungen werden voraussichtlich 2027 bezugsfertig sein. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg plant, in den kommenden Jahren weitere Bauprojekte auf historischen Flächen umzusetzen, um dem wachsenden Wohnungsdruck in Berlin zu begegnen.



