Am Samstag, dem 4. Juli, kam es im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg zu einem antisemitischen Vorfall. Ein Paar, das einen Kinderwagen schob, wurde gegen 15:30 Uhr von zwei unbekannten Personen mit judenfeindlichen Parolen beleidigt. Ein Video der Jüdischen Allgemeinen zeigt die Täter, die „Fuck Zionismus“ und „Viva Hamas“ riefen. Als die Täter bemerkten, dass gefilmt wurde, ging der männliche Angreifer auf die Filmende zu, schubste sie und bedrohte sie mit den Worten „Verpiss dich, Alter, Handy weg“. Er trug ein T-Shirt mit der arabischen Aufschrift „Intifada“.
Identität des mutmaßlichen Angreifers
Dem Tagesspiegel liegen klare Hinweise zur Identität des Mannes vor. Es soll sich um einen prägenden Akteur des radikalen Flügels der pro-palästinensischen Szene in Berlin handeln. Aufnahmen zeigen ihn Ende Mai bei einer Demonstration für das iranische Mullah-Regime in Berlin-Mitte, bei der Propagandalieder des islamischen Regimes abgespielt und der ideologische Führer Ali Chamenei verherrlicht wurden. In einem Videobeitrag des Netzwerks „democ“ ist er zu sehen, wie er versucht, mit einem Plakat auf die Kamera einzuschlagen.
Rechtsextreme Vergangenheit
Der antisemitische Pöbler wurde politisch in rechtsextremen Kreisen sozialisiert. 2013 nahm er an NPD-Demonstrationen teil, wie Fotos des Blogs „friedensdemowatch“ belegen. Auf einem Foto ist er zwischen bekannten Neonazi-Kadern einer NPD-Kundgebung am Potsdamer Platz zu erkennen, mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Südtirol bleibt Deutsch“. Spätestens 2016 tauchte er in der maoistischen Gruppierung „Jugendwiderstand“ auf, die in Neukölln für Angst und Schrecken unter Israel-solidarischen Linken sorgte. Auch dort fiel er durch Einschüchterungsversuche kritischer Fotojournalisten und körperliche Drohgebärden auf.
Der Vorfall aus Sicht der Augenzeugin
Die Augenzeugin, die das Video filmte und Strafanzeige stellte, lebt in Israel und war zu Besuch in Berlin. Sie schilderte, dass die Angreifer „sehr routiniert“ wirkten, um „gezielt Menschen einzuschüchtern“. Sie konnte nicht erkennen, warum das Paar als Ziel ausgewählt wurde oder ob es jüdisch oder israelisch war. Noch am selben Tag erstattete sie Anzeige bei der Berliner Polizei, um den Vorfall zu dokumentieren.
Ermittlungen des Staatsschutzes
Ein Polizeisprecher bestätigte den Eingang der Strafanzeige. Der Vorfall ereignete sich auf der Fehrbelliner Straße zwischen Choriner Straße und Kastanienallee. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts ermittelt nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Beleidigung gegen die bislang unbekannten Personen. Auch die Opfer sind der Behörde noch nicht bekannt.



