AfD-Chef Chrupalla: Buch als Rettungsanker im Machtkampf mit Weidel?
Chrupallas Buch: Rettung im AfD-Machtkampf?

AfD-Chef Tino Chrupalla kämpft um seinen Einfluss in der Partei. Mit seiner Autobiografie „Handwerk – Meister – Politik“ will der 51-jährige Malermeister aus der sächsischen Lausitz seine Position festigen. Das Buch erscheint im österreichischen Stocker-Verlag, der auch Biografien des Rechtspopulisten Jörg Haider verlegt. Die Präsentation fand im Augustiner-Wirtshaus am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte statt – ein Sachse in Bayern in Berlin.

Chrupalla unter Druck nach Parteitag in Erfurt

Auf dem AfD-Parteitag in Erfurt musste Chrupalla eine deutliche Schlappe hinnehmen. Nur 70 Prozent der Delegierten stimmten für ihn – deutlich weniger als bei der letzten Wahl vor zwei Jahren und weit weniger als seine Co-Chefin Alice Weidel. Das mächtige Netzwerk hinter Weidel hatte erfolgreich eigene Leute in die Vorstandswahlen geschickt. Die AfD-Spitze ist jünger, ostdeutscher und radikaler geworden. Chrupalla, seit 2019 Parteichef und „Dienstältester“ aller Parteien, wie er betont, gehört zu den älteren Gemäßigten in einer Partei, die zunehmend extrem rechts steht.

Chrupallas Nähe zu russischen Stellen, darunter ein Besuch in der russischen Botschaft, sowie sein Eingreifen in interne Streitereien in Landesverbänden haben ihm zusätzlich geschadet. Die Schlagzeilen nach dem Parteitag waren negativ. Nun soll die Buchpräsentation Ablenkung bringen und die Debatten in der Partei zu seinen Gunsten beeinflussen.

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Buch als Botschaft und Bewerbung

Chrupalla bezeichnet sein Buch als „Lobbyismus“ für den Handwerker im Parlament. Es gebe nur sieben Meister im Bundestag, sagt er. Der Titel „Handwerk – Meister – Politik“ unterstreicht sein Narrativ: der Aufstieg eines Handwerkers in die Politik. „Meine Knie sind nicht kaputt, weil ich anderen Leuten hinten reinkriechen musste“, sagte Chrupalla im Wirtshaus. „Sie sind kaputt, weil ich 25 Jahre lang Estrich verlegt habe.“

Ein weiteres zentrales Thema ist der ostdeutsche Weg. Chrupalla betont: „Ich möchte die DDR nicht zurück, aber ich möchte sie mir auch nicht nehmen lassen.“ Er beschreibt seinen Alltag in der Diktatur, seine Schritte nach der Wiedervereinigung und seinen Quereinstieg in die Politik. Der ostdeutsche Handwerker trifft auf westdeutsche Juristen im Bundestag. Die AfD lebt von der Kränkung der Menschen zwischen Lausitz und Stettiner Haff, von einem Gefühl der Ungerechtigkeit seit 1989. „Heute erlebe ich immer mehr, dass Westdeutsche uns Ostdeutsche die DDR erklären“, sagt er. „Und teilweise falsch erklären.“

Machtkampf mit Weidel und Zukunftsperspektiven

Chrupallas Autobiografie ist auch eine Bewerbung für höhere Ämter. Weidel will Kanzlerkandidatin 2029 werden und die Partei allein führen, ein offenes Geheimnis. Chrupalla sucht seinen Platz in einer Partei, die immer mehr auf die schillernde Frau an der Spitze zugeschnitten wird. „Netzwerke in der Politik gehören dazu“, sagt er. „Machtkämpfe gibt es in jeder Partei.“ Wichtig sei ihm, mit „Verlierern“ anständig umzugehen – eine Anspielung auf die Abwahl seiner engen Parteifreunde Carsten Hütter und Peter Boehringer in Erfurt.

Noch braucht Weidel Chrupalla: seine Erfahrung, seine Beliebtheit bei einem Teil der Wählerschaft, seinen Fleiß und seine Loyalität. In der AfD-Spitze kursiert die Idee, dass Chrupalla 2029 in Sachsen als Ministerpräsident kandidieren könnte, um ihm den Abgang aus der Parteispitze zu erleichtern. Chrupalla selbst sagt: „Was 2029 passiert, spielt aktuell für mich keine Rolle.“ Im Sommer werde er darüber nachdenken, im Frühjahr könne eine Entscheidung fallen. „Man sollte in der Politik nie etwas ausschließen.“

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