Abschiebung in der Nacht
Der straffällig gewordene portugiesische Rapper 18 Karat, bürgerlich Ivo Vieira Silva, ist aus der Haft nach Portugal abgeschoben worden. Dies bestätigte die Stadt Dortmund der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage. Er sei noch in der Nacht ausgeflogen worden, teilte seine Anwältin Lisa Grüter mit. „Er konnte sich heute früh einmal bei seiner Familie melden und seine Ankunftszeit und Ankunftsort mitteilen“, so Grüter.
Hintergrund der Haftstrafe
Der Deutschrapper verbüßte seit 2022 eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten wegen verschiedener schwerer Drogendelikte. Die Stadt Dortmund hatte ihm daraufhin das EU-Freizügigkeitsrecht entzogen, ihn zur Ausreise aufgefordert und seine Abschiebung nach Portugal angeordnet. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Fall einer Abschiebung von der weiteren Vollstreckung der Haft abgesehen, wie ein Sprecher der Behörde erklärte. Damit muss 18 Karat in Portugal nicht weiter ins Gefängnis, würde aber bei einer Wiedereinreise nach Deutschland festgenommen und müsste seine Reststrafe verbüßen.
Gerichtliche Entscheidung
Am Dienstag hatte das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht im Eilverfahren grünes Licht für die Abschiebung gegeben. Für die Beendigung seines Aufenthalts in Deutschland gebe es „zwingende Gründe der öffentlichen Ordnung“, hatten bereits die Verwaltungsrichter in Gelsenkirchen in erster Instanz ausgeführt. Er habe kiloweise mit Drogen gehandelt – die Folgen dieser Art illegalen Betäubungsmittelhandels seien schwerwiegend für die Gesellschaft. Zudem sahen die Richter konkrete Wiederholungsgefahr: Der Kläger habe sich nicht ersichtlich aus dem Netzwerk gelöst, in dem er die Taten begangen habe. Das Oberverwaltungsgericht schloss sich dieser Argumentation an. Sein Einwand, er habe Kontakt zu seiner Familie und einem noch sehr jungen Kind, sei nicht geeignet, die Gefahr weiterer erheblicher Straftaten infrage zu stellen.
Kritik der Anwältin
Laut seiner Anwältin Grüter war der Musiker zuletzt im offenen Vollzug untergebracht und hätte in zwei Wochen seine Ausbildung zum Maler und Lackierer abgeschlossen. Nach seiner Abschiebung bestehe bislang kein Kontakt zu ihm, weil er kein Handy dabei habe. In einigen Wochen hätte geprüft werden sollen, ob seine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden könne. „Diese Entscheidung hätte aus meiner Sicht vorgehen müssen“, sagte Grüter. Die sofortige Abschiebung ihres Mandanten nannte sie ein „rechtsstaatliches Armutzeugnis“. Eine Abschiebung aus der Haft bringe zahlreiche Nachteile mit sich – unter anderem eine erheblich längere Wiedereinreisesperre.
Karriere im Deutschrap
Der Rapper aus Dortmund gilt seit seinem Debütalbum vor zehn Jahren „FSK 18 Brutal“ als feste Größe im Deutschrap und hatte seither zahlreiche Chart- und Streamingerfolge wie „Verliebt in einen Gangster 2“ oder „Narco Trafficante“ erzielt.



