Schwere Vorwürfe nach Luftangriff auf Drogenklinik in Kabul
Bei einem mutmaßlichen Luftangriff auf eine Klinik für Drogenabhängige in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach Angaben der Taliban-Herrscher mindestens 400 Menschen getötet und 250 weitere verletzt worden. Der stellvertretende Sprecher der Taliban gab am Dienstag bekannt, dass sich der Angriff bereits am Montagabend ereignet habe. Die Klinik, die zur Behandlung von Drogenabhängigen diente, wurde dabei schwer beschädigt.
Pakistan weist Vorwürfe als „irreführend“ zurück
Die pakistanische Regierung wies die Darstellung der Taliban umgehend als falsch und irreführend zurück. Das Informationsministerium in Islamabad teilte mit, man habe bei den jüngsten Militäroperationen ausschließlich „präzise militärische Einrichtungen und terroristische Unterstützungsinfrastruktur“ ins Visier genommen. Unabhängige Bestätigungen für die widersprüchlichen Angaben beider Seiten lagen zunächst nicht vor, was die Situation zusätzlich verkompliziert.
Eskalation im Grenzkonflikt
Der Vorfall markiert eine weitere Eskalation in dem bereits seit Wochen schwelenden Grenzkonflikt zwischen Afghanistan und Pakistan. Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen, wobei laut der UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) bereits Zivilisten zu Schaden kamen. Bis einschließlich vergangenen Freitag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, wie Unama mitteilte.
Auch Afghanistan hatte zuletzt Ziele in Pakistan angegriffen, darunter in der Hauptstadt Islamabad. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach Ende Februar bereits von einem „offenen Krieg“ zwischen den beiden Nachbarstaaten. Die jüngsten Entwicklungen lassen befürchten, dass sich die Gewaltspirale weiter drehen könnte.
Humanitäre Krise verschärft sich
Der Angriff auf die Drogenklinik trifft eine besonders vulnerable Bevölkerungsgruppe in Afghanistan. Das Land kämpft seit Jahren mit einer schweren Drogenkrise, und Einrichtungen zur Behandlung Abhängiger sind rar. Die Zerstörung einer solchen Klinik verschärft die humanitäre Lage zusätzlich und gefährdet die Gesundheitsversorgung tausender Menschen.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit großer Sorge. Bisher gibt es jedoch keine unabhängigen Berichte, die die genauen Opferzahlen oder die Verantwortlichkeit für den Angriff bestätigen könnten. Die Situation bleibt angespannt, und weitere Gewaltausbrüche sind nicht auszuschließen.



