90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg: Hemingways Kampf für die Republik
90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg: Hemingways Kampf

Vor 90 Jahren begann der Spanische Bürgerkrieg. In diesem Konflikt verteidigten Künstler und Intellektuelle die Republik. Paul Ingendaay erzählt in seinem auf Zeitzeugen-Erinnerungen beruhenden Buch „Entscheidung in Spanien“ vom Kampf der Literaten.

Die Rolle von Johannes Bernhardt

Manchmal sind es unscheinbare Randfiguren, die den Lauf der Geschichte ändern. Zum Beispiel Johannes Bernhardt. Der einstige Reeder arbeitete ab 1930 unter anderem als Handelsvertreter von Mannesmann in Spanisch-Marokko. Mehr als diese nordafrikanische Exklave war Spanien vom Status einer einstigen Weltmacht nicht mehr geblieben.

Im erbitterten Kolonialkrieg, den die Eroberer gegen einheimische Aufständische führten, hatte sich General Francisco Franco durch besondere Härte hervorgetan. Er war ein Feind der Demokratie und gehörte zu den Verschwörern, die am 17. Juli 1936 gegen die Volksfront-Regierung in Madrid putschten. Aber wie sollten sie ihre 40.000 Mann starken Truppen nach Spanien bringen?

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Mannesmann-Mann Bernhardt löste das Problem. Der Journalist Paul Ingendaay, lange Jahre FAZ-Korrespondent in Madrid und ein ausgezeichneter Erzähler, nennt in seinem Buch den Unternehmer ein „unsichtbares Rädchen“ der im Sommer 1936 in Marokko anlaufenden Kriegsmaschinerie.

Johannes Bernhardt, einstiger Freikorps-Kämpfer und seit 1933 NSDAP-Mitglied, macht, was einen fähigen Manager auszeichnet: Netzwerke nutzen, Profit organisieren. Er sorgt dafür, dass Francos Faschisten vom nationalsozialistischen Deutschland unterstützt werden.

Die deutsche Hilfe für Franco

In einem Brief hatte Franco um zehn Flugzeuge, fünf Jagdflieger und Waffen gebeten, um seine Soldaten sicher nach Andalusien zu schaffen. Doch das deutsche Außenministerium, besorgt um den Seehandel, lehnte die Bitte brüsk ab. Deshalb flog Bernhardt mit Francos Brief nach Berlin. Rudolf Hess, Stellvertreter des Führers, schickte ihn sofort weiter nach Bayreuth.

Dort weilte Adolf Hitler, um sich bei den Wagner-Festspielen in einer Siegfried-Aufführung von seinen Amtsgeschäften zu erholen. Für ein Gespräch mit Bernhardt hatte er trotzdem Zeit. Noch in derselben Nacht stießen der Luftwaffenchef Hermann Göring und Kriegsminister Werner von Blomberg dazu. Sie regelten die Sache.

Franco bekam zwanzig Junkers-Maschinen vom Typ Ju 52, sechs Heinkel-51-Kampfbomber und weiteres Material – das Doppelte der erbetenen Menge. Diese Großzügigkeit, so Ingendaay, zeigte, dass „Hitler es ernst meint“. Die Waffenbrüderschaft mit Francos Aufständischen wurde zum Testlauf für den Zweiten Weltkrieg. Es war die größte Luftbrücke aller Zeiten, ohne die der Putsch wahrscheinlich schnell in sich zusammengebrochen wäre.

Göring gab dem deutschen Eingreifen den Namen „Unternehmen Feuerzauber“. Ein Scherz, der auf den Titel des dritten Akts von Wagners Oper Walküre anspielt. Vor dem Nürnberger Militärgerichtshof sagte Göring 1946, dass er „eine Reihe von Erprobungskommandos meiner Jäger, Bomber und Flakgeschütze“ nach Spanien geschickt habe, um ihre Fähigkeiten „im scharfen Schuss“ zu prüfen.

Guernica und die Legion Condor

Im April 1937 legte die Legion Condor die baskische Kleinstadt Guernica in Schutt und Asche. Die deutschen Erprobungs-Soldaten warfen Brand- und Splitterbomben und erschossen mit ihren Bordwaffen fliehende Kinder, Frauen und Männer.

Ein Fanal für das, was der Welt bevorstand. Pablo Picasso war in seinem Exil schockiert und malte sein monumentales Antikriegsbild „Guernica“ für den spanischen Pavillon der nur wenige Wochen später eröffneten Pariser Weltausstellung. Dort stieß es auf wenig Gegenliebe, das Gemälde galt als zu grau und abstrakt.

Ein multiperspektivisches Panorama

Ingendaays Buch ist ein multiperspektivisches Panorama über einen Krieg, der von beiden Seiten mit großer Brutalität geführt wurde. In 135 chronologischen Episoden lässt er prominente Zeitzeugen zu Wort kommen, die den Kampf als Journalisten, Fotografinnen oder Schriftsteller begleitet haben.

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Ingendaay montiert – ähnlich wie Florian Illies in seinem Bestseller 1913 – aus den Erinnerungen seiner Protagonisten eine historische Großreportage. So nah am Geschehen, dass man beinahe den Eindruck hat, tatsächlich dabei zu sein.

Die Hintergründe des Konflikts

Ingendaay hält die Balance zwischen epischem und feuilletonistischem Ton, geht immer wieder in die Tiefe. Zur spanischen Kultur-, Literatur- und Mentalitätsgeschichte, zu den bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden Ursachen des Konflikts.

Der Reichtum von Großgrundbesitzern war enorm, während Bauern und Landarbeiter ums tägliche Überleben kämpfen mussten. Nicht einmal die Hälfte von ihnen konnte lesen und schreiben. Und die katholische Kirche stützte das System.

Es sind beinahe mittelalterliche Zustände, die Ingendaay schildert. Als die zum radikalen Umbruch entschlossene Volksfront im Februar 1936 die Wahlen gewann, wurde die Stimmung explosiv. Die africanistas, wie die spanischen Soldaten in Marokko genannt wurden, wollten die Zivilisation retten. Und die Republikaner unterschätzten ihre Gegner.

Internationale Freiwillige

Die Demokratie war zu dieser Zeit in ganz Europa gefährdet, aus vielen Ländern strömten Freiwillige nach Spanien, um sich den Internationalen Brigaden anzuschließen. Unter ihnen waren Kommunisten wie Arthur Koestler, Egon Erwin Kisch, Gustav Regler oder Bodo Uhse, die auf die eine oder andere Weise für die Republik kämpfen wollten. Aber auch Anarchisten wie Simone Weil.

Die französische Philosophin fuhr im August 1936 nach Barcelona und gelangte mit der Kolonne des legendären Revolutionärs Buenaventura Durruti an die aragonische Front. Ein Foto zeigt sie mit umgehängtem Gewehr im blauen Overall der Milizionärinnen. Allerdings war sie so kurzsichtig, dass sie mit der Waffe wohl niemanden getroffen hätte. Nach einem Unfall kehrte sie nach Paris zurück.

„Ein Menschenleben gilt in Spanien nichts“, schrieb Weil dort. Das zeigte sich, als Francos Truppen im August 1936 die ostspanische Stadt Badajoz eroberten. Was danach geschah, fasst Ingendaay so zusammen: „Plünderung, Vergewaltigung, Abschlachten“. In der Stierkampfarena erschossen die Falangisten tagelang Gruppen von Linken. Zu Musik und vor 3000 Zuschauern. Wie viele Menschen genau starben, ist bis heute unklar. Schätzungen gehen von 4000 Opfern aus.

Ernest Hemingway in Madrid

Ernest Hemingway stieg im März 1937 im Hotel Florida in Madrid ab. Die Luxusherberge, in der viele internationale Journalisten und Militärs wohnten, galt als wichtigste Nachrichtenbörse der Hauptstadt. Hemingway war reich und berühmt. Für jede Reportage bekam er 1000 Dollar, eine immense Summe.

Hemingway konnte es sich leisten, in die sowjetische Delegation im Gaylord Hotel zu marschieren, vorbei an den Wachen, um von Parteioberen Informationen aus erster Hand zu erhalten. Eigentlich hielt er vom Kommunismus wenig, „weil ich nur an eines glaube: an Freiheit“. In seinem Roman „Wem die Stunde schlägt“, der 1940 erschien, beschrieb er den Kampf der Internationalen Brigaden dennoch mit Sympathie.

George Orwell an der Front

George Orwell, eher linksliberal als links, ließ sich Anfang 1937 in der Lenin-Kaserne in Barcelona militärisch ausbilden. Schnell kam der britische Schriftsteller an die Front und stieg zum Anführer einer 12-köpfigen Kampftruppe auf. Dann begann er, am Krieg zu zweifeln, daran, „das Richtige und Falsche“ auseinanderhalten zu können.

Zurück in Barcelona geriet er in Auseinandersetzungen zwischen kommunistischen Gruppen. Sowjetische Politkommissare gingen in stalinistischen Säuberungen gnadenlos gegen Trotzkisten und andere Abweichler vor. Manche verschwanden für immer. Orwell floh nach Paris und schrieb später seine antitotalitären Romane „Farm der Tiere“ und „1984“.

Das Ende des Bürgerkriegs

Der Spanische Bürgerkrieg endete im März 1939. Francos Armee, unterstützt von Hitler und Mussolini, eroberte Madrid und Barcelona. Paul Ingendaay spricht von einer „heroischen Niederlage“ der Republikaner. Sein Buch folgt den Erzählungen der Verlierer. Lauter Enthusiasten, Abenteurer und Kämpfer auf verlorenem Posten. Viele waren Juden, geflohen vor den Nazis.

Erika und Klaus Mann

Erika und Klaus Mann schrieben Texte für Exilzeitungen wie das Pariser Tageblatt. Ihrem Vater, der in seiner Schweizer Exil-Villa den Umzug nach Kalifornien vorbereitete, brachten sie eine Schallplatte mit Kampfliedern von Ernst Busch mit.

Der Schauspieler sang an Lagerfeuern, in Schulen und Radiostationen für die Republik. Familie Mann lauschte gebannt den Aufnahmen. „Groß der Kinder Eindruck von der spanischen Front“, notierte Thomas Mann anschließend in seinem Tagebuch.

Robert Capa und Gerda Taro

Robert Capa machte das berühmteste Kriegsfoto des 20. Jahrhunderts. Es zeigt einen republikanischen Soldaten, dem in der Sekunde seines Todes das Gewehr aus der Hand fällt. Seine Geliebte Gerda Taro, 1901 in Stuttgart geboren und ebenfalls Fotoreporterin, starb bei einem deutschen Luftangriff.

Willy Brandt in Barcelona

Willy Brandt kam aus Norwegen nach Barcelona, um für seine sozialistische Arbeiterpartei Kontakte mit spanischen Genossen aufzunehmen.

Sechs Monate nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs überfiel die Wehrmacht Polen. Ein noch größeres Plündern, Vergewaltigen, Abschlachten begann.