Eklat um Goebbels-Klingelton einer AfD-Politikerin in Böblingen
Eine Kommunalpolitikerin der AfD in Böblingen (Baden-Württemberg) sorgt mit ihrem Handy-Klingelton für einen handfesten Skandal. Wie die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, klingelte das Telefon der Mandatsträgerin während einer Sitzung eines Gemeinderats-Gremiums. Die genaue Melodie ist zwar nicht vollständig bekannt, doch immer wieder soll darin das berüchtigte Zitat von Joseph Goebbels „Wollt ihr den totalen Krieg?“ zu hören gewesen sein.
Warum nutzt die AfD-Politikerin diesen Klingelton?
Die Beweggründe der Politikerin sind bislang unklar. Auf Nachfrage der Bild-Zeitung war sie telefonisch nicht erreichbar. Laut „Stuttgarter Zeitung“ soll sie jedoch eingeräumt haben, dass ihr Klingelton tatsächlich das Goebbels-Zitat enthält. Ob es sich um einen bewussten politischen Akt oder eine unbedachte Provokation handelt, bleibt offen.
Historischer Hintergrund des Zitats
Der Satz „Wollt ihr den totalen Krieg?“ hat einen düsteren historischen Hintergrund. Im Jahr 1943, als die Niederlage Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg bereits absehbar war, hielt NS-Propagandaminister Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast eine berüchtigte Rede. Mit dieser Frage versuchte er, die deutsche Bevölkerung zu einem letzten Aufbäumen zu bewegen und sie für den totalen Kriegseinsatz zu mobilisieren. Die Folgen waren verheerend und kosteten Millionen Menschen das Leben.
Stadt Böblingen stellt Strafanzeige
Die Stadt Böblingen hat gegen die AfD-Politikerin Strafanzeige gestellt. Der Vorwurf: Verbreitung von NS-Propaganda. Der Fall liegt nun bei den zuständigen Ermittlungsbehörden. Zwar ist die bloße Verwendung eines Goebbels-Zitats in Deutschland nicht automatisch strafbar, doch die Rechtsprechung unterscheidet streng zwischen historischer Einordnung und verherrlichender Darstellung des Nationalsozialismus. Sollte der Fall vor Gericht landen, wird es vor allem um die Frage gehen, wie ein Klingelton in diesem Kontext zu bewerten ist.
In der Vergangenheit haben die Behörden NS-Bezüge zunehmend streng ausgelegt. So wurde etwa der Publizist Norbert Bolz (73) von der Polizei zu Hause aufgesucht, nachdem er die NS-Parole „Deutschland erwache“ in einem satirischen Post auf der Plattform X verwendet hatte. Auch wegen NS-Klingeltönen wurde bereits ermittelt, allerdings liegen die meisten dieser Fälle schon Jahre zurück.
Die Angelegenheit könnte für die Kommunalpolitikerin nun ein juristisches Nachspiel haben. Es bleibt abzuwarten, wie die Justiz den Fall bewertet und ob der Klingelton als strafbare Verherrlichung des Nationalsozialismus eingestuft wird.



