Atomstreit zwischen USA und Iran: Verhandlungsrunde ohne Durchbruch beendet
Die möglicherweise entscheidende Runde der Atomverhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist in Genf ohne konkrete Einigung zu Ende gegangen. Trotz des fehlenden Durchbruchs zeigte sich der omanische Außenminister Badr al-Bussaidi, der als Vermittler zwischen beiden Staaten agiert, nach den Gesprächen optimistisch. Er sprach von „bedeutenden Fortschritten“ in den Verhandlungen und kündigte für die kommende Woche Gespräche auf technischer Ebene in Wien an. Falls diese stattfinden, könnten dort Details eines möglichen Atomabkommens ausgehandelt werden.
Trumps Ultimatum und militärische Drohkulisse
Ob es zu weiteren Verhandlungen kommt, bleibt jedoch ungewiss. US-Präsident Donald Trump hatte der iranischen Führung erst vor einer Woche ein Ultimatum bis Anfang März gestellt. „Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich“, erklärte er. Im Raum steht die Möglichkeit eines militärischen Angriffs auf die Führung in Teheran und ihren Machtapparat. Parallel dazu haben die USA ihre Militärpräsenz in der Region massiv aufgestockt. Dem „Wall Street Journal“ zufolge handelt es sich um den größten Aufmarsch von US-Luftstreitkräften seit dem Irak-Krieg 2003. Am Donnerstag lief zudem der größte Flugzeugträger der US-Marine, die USS Gerald R. Ford, vor der griechischen Insel Kreta aus, um die US-Flotte im Nahen Osten zu verstärken.
Irans Entwurf und zentrale Streitpunkte
Bei den Verhandlungen geht es primär um das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass Teheran Atomwaffen entwickelt, während die iranische Regierung entsprechende Absichten bestreitet, sich aber zu einer Begrenzung ihres Nuklearprogramms bereit zeigt. Im Gegenzug fordert der Iran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Am Mittwoch übermittelte Teheran einen ersten Entwurf für ein neues Abkommen, dessen Details jedoch nicht bekannt wurden. Über andere von den USA eingebrachte Themen – wie eine Begrenzung des iranischen Raketenarsenals oder ein Ende der Unterstützung militanter Gruppen – will die Islamische Republik nicht sprechen.
Die zentralen Streitpunkte umfassen:
- Den Umgang mit dem im Land verbliebenen hoch angereicherten Uran, von dem mehr als 400 Kilogramm vorhanden sein sollen.
- Die Zukunft der zentralen Atomanlagen, die im vergangenen Jahr bereits bombardiert wurden.
- Künftige nukleare Aktivitäten im Iran, die streng von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) überwacht werden sollen.
Historischer Kontext und zerstörtes Vertrauen
Der aktuelle Atomstreit hat tiefe historische Wurzeln. 2015 hatte sich der Iran bereits zur Beschränkung seines Atomprogramms verpflichtet, im Gegenzug sollten Sanktionen aufgehoben werden. US-Präsident Trump kündigte dieses Wiener Atomabkommen 2018 einseitig auf und verhängte neue Sanktionen, woraufhin auch der Iran sich nicht mehr an die Auflagen hielt. Ein weiterer Rückschlag war der Krieg im Sommer 2025, als Israel den Iran bombardierte und iranische Luftstreitkräfte daraufhin Raketen auf Israel abfeuerten. Die USA griffen gut eine Woche später mit der Operation „Mitternachtshammer“ ein und zielten auf Anreicherungsanlagen im Iran. Dieser Krieg, der überraschend einen Tag vor einer geplanten Verhandlungsrunde begann, zerstörte das Vertrauen der iranischen Führung in Gespräche mit Washington nachhaltig.
Aktuelle Verhandlungsteams und innenpolitische Spannungen
Für den Iran verhandelte in Genf das Team um Außenminister Abbas Araghtschi, während auf US-Seite der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Jared Kushner, der Schwiegersohn von Präsident Trump, anwesend waren. Innerhalb des Iran sehen viele Menschen die Gespräche ihrer Regierung mit den USA kritisch. Sie fordern einen Machtwechsel und befürchten, dass ein möglicher Deal der aktuellen Regierung den Rücken stärken könnte. Diese innenpolitischen Spannungen sowie das anhaltende Misstrauen zwischen den Verhandlungspartnern machen eine Einigung in naher Zukunft zu einer großen Herausforderung.



