Hintergründe zum Eklat im Oval Office
Das Treffen vom 28. Februar 2025 zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj endete in einem diplomatischen Desaster. Eigentlich sollte an diesem Tag in Washington ein Rohstoffabkommen unterzeichnet werden, doch stattdessen kam es zu einem hitzigen Wortwechsel. Trump und sein Vize JD Vance überzogen Selenskyj vor laufenden Kameras mit Vorwürfen, woraufhin der Ukrainer die US-Hauptstadt ohne Unterschrift verließ. Das Abkommen wurde erst Ende April 2025 besiegelt.
Nun haben die Enthüllungsjournalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan in ihrem Buch „Regime Change“ bislang unbekannte Details zu den Vorgängen hinter den Kulissen enthüllt. Der britische „Guardian“ berichtete vorab über die brisanten Passagen. Demnach spielte US-Finanzminister Scott Bessent eine Schlüsselrolle, indem er Trump von dem Treffen abriet und dabei verächtliche Worte über Selenskyj fand.
Bessents abfällige Äußerungen über Selenskyj
Laut dem Buch soll Bessent vor nicht näher benannten Kollegen über Selenskyj gesagt haben: „Ich kenne diesen kleinen Fucker. Er ist gerissen. Er ist wie ein Kind mit besonderen Bedürfnissen für die Europäer. Und er verhält sich wie Mister Bean auf Crack.“ Der Minister habe die Position vertreten, dass Selenskyj das Weiße Haus vor Unterzeichnung des ausgehandelten Vertragswerks überhaupt nicht betreten dürfe.
Diesen Äußerungen war ein heftiger Streit zwischen Bessent und Selenskyj in Kyjiw vorausgegangen. In der ukrainischen Hauptstadt soll der US-Finanzminister Selenskyj zur Unterzeichnung des Mineraliendeals gedrängt haben – jedoch erfolglos. Die Auseinandersetzung eskalierte derart, dass sich die beiden Männer 45 Minuten lang gegenseitig beschimpften. „Bessent war erst seit ein paar Tagen im Amt und schon mit dem Anführer eines Landes im Krieg in einen Streit geraten“, heißt es laut „Guardian“ in dem Buch. Schließlich habe Bessent den Ukrainer angesehen und gesagt: „Was zum Teufel willst du machen?“
Diplomatische Folgen des Eklats
Der Eklat im Oval Office hatte weitreichende diplomatische Konsequenzen. Die Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine, die bereits durch den russischen Angriffskrieg belastet waren, verschlechterten sich weiter. Trump hatte Selenskyj wiederholt vorgeworfen, nicht genug für ein Friedensabkommen mit Russland zu tun. Die Ukraine hingegen pochte auf weitere Militärhilfen und Sicherheitsgarantien.
Das Rohstoffabkommen, das schließlich Ende April unterzeichnet wurde, sieht eine Beteiligung US-amerikanischer Unternehmen an der Förderung ukrainischer Bodenschätze vor. Kritiker bemängeln, dass die Ukraine dabei zu viele Zugeständnisse gemacht habe. Selenskyj verteidigte das Abkommen als notwendigen Schritt zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes.
Die Enthüllungen von Haberman und Swan werfen ein neues Licht auf die chaotische Kommunikation innerhalb der Trump-Administration. Bessent, der erst kurz zuvor als Finanzminister vereidigt worden war, scheint demnach eine aggressive Linie gegenüber der Ukraine verfolgt zu haben. Ob Trump selbst die abfälligen Bemerkungen seines Ministers kannte, ist nicht bekannt. Das Weiße Haus hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.



