Marine-Soldaten im Roten Meer: Was geplant ist und welche Risiken bestehen
Rund 140 Marine-Soldaten der Bundeswehr bereiten sich auf einen Einsatz in der Straße von Hormus vor. Das Minenjagdboot „Fulda“ und das Versorgungsschiff „Mosel“ befinden sich derzeit im Roten Meer und werden voraussichtlich Mitte nächster Woche Dschibuti erreichen. Dort sollen letzte Vorbereitungen getroffen werden. Nach Erhalt des Marschbefehls könnten die Soldaten innerhalb von vier Tagen in der Meerenge zwischen Iran und Oman sein – theoretisch also Ende Juni.
Heikle Mission: Minenräumung im Konfliktgebiet
Der Auftrag der Soldaten ist anspruchsvoll: Sie sollen Minen in der Straße von Hormus räumen, einem der heißesten Konfliktgebiete des vorerst beendeten Iran-Kriegs. Die Mission ist Teil einer von Frankreich und Großbritannien geführten Operation. An Bord der „Fulda“ befinden sich schwer bewaffnete Marine-Spezialkräfte mit Maschinengewehren und Granatwerfern. Im Einsatzgebiet würden unter anderem eine französische Fregatte und der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ mit Kampfjets kreuzen. Doch ob es tatsächlich zum Einsatz kommt, ist ungewiss. Die Soldaten leben seit Wochen mit dieser Unsicherheit.
Unsicherheit seit sieben Wochen
Bereits Anfang Mai war der Verband in Kiel gestartet und hatte sich zunächst im Mittelmeer einem Nato-Einsatz angeschlossen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) fordert, dass die Marine im Ernstfall schnell handlungsfähig die Straße von Hormus erreicht. Die Kommandeurin des Minensuchgeschwaders, Fregattenkapitän Inka von Puttkamer, versichert: „Wir haben Soldaten, die immer in hoher Einsatzbereitschaft sind. Es handelt sich um erfahrene Kampfgemeinschaften.“
Minenjagdboot „Fulda“ und seine Ausrüstung
Die „Fulda“ ist eines von zehn Minenjagdbooten der deutschen Marine. Zur regulären Besatzung von 44 Soldaten kommt nun eine spezielle Marinetaucher-Einheit hinzu. „Wir sind das Auge der Marine unter Wasser“, sagt von Puttkamer. Die Minenräumer suchen vor allem nach iranischen Bodenminen, die auf dem Grund der flachen Schifffahrtsrinnen verankert sein dürften. Diese Minen zünden ihre Sprengladungen, wenn große Schiffe durch Geräusch oder Magnetfelder erfasst werden.
Die Soldaten operieren mit kabelgelenkten Drohnen vom Typ Seefuchs, die mit Sonar und Kamera oder einer kleinen Sprengladung ausgestattet sind. Alternativ setzt die „Fulda“ Überwasserdrohnen der Seehund-Klasse ein, die mit Motorgeräusch oder künstlichem Magnetfeld eine Schiffspassage vortäuschen und so kontrollierte Detonationen auslösen. Für schwierige Lagen, etwa im Küstengelände, ist eine Minentaucher-Einheit an Bord. Diese Spezialkräfte durchlaufen eine der härtesten Ausbildungen der Bundeswehr.
Sicherheit im Minenfeld
„Um in einem Minenfeld arbeiten zu können, wenn also jeder Schritt tödlich sein kann, brauchen unsere Schiffe Schutz“, betont von Puttkamer. Die Minenabwehreinheiten können nur eingesetzt werden, wenn alle Bedrohungen ferngehalten werden – durch Fregatten oder Korvetten anderer Nationen in der Straße von Hormus. Doch es gibt viele Unwägbarkeiten. Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran ist fragil, und die Haltung der USA ist unklar. Präsident Donald Trump erklärte beim G7-Gipfel, er brauche von Europa nur „ein oder zwei Schiffe“.
Völkerrechtliche Grundlage und politische Hürden
Vereinbart ist, dass der Iran innerhalb von 30 Tagen Seeminen in der Meerenge räumt. Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Meerenge nicht flächendeckend vermint ist; iranische Revolutionswächter sollen ein oder zwei Dutzend Minen verteilt haben. Der Iran behauptet jedoch, die genaue Position der Minen nicht zu kennen und nicht über die Fähigkeiten zu ihrer Räumung zu verfügen. Die Kapazitäten der US-Marine sind begrenzt. Sollte der Iran künftig Gebühren für die Durchfahrt erheben, würde die Bundeswehr dies nicht unterstützen.
Die Bundesregierung knüpft den Einsatz an weitere Bedingungen: Die Kämpfe müssen tatsächlich beendet sein, alle Konfliktparteien müssen der Mission zustimmen, und es braucht eine völkerrechtliche Grundlage. In Mandatsentwürfen von Außen- und Verteidigungsministerium wird diese großzügig ausgelegt. Da weder ein UN-Beschluss noch ein EU-Auftrag schnell zustande kommen, erwägt die Bundesregierung, sich auf eine UN-Resolution vom 11. März zu stützen, die Angriffe auf Handelsschiffe verurteilt. Doch in den Koalitionsfraktionen gibt es Zweifel.
Der SPD-Verteidigungsexperte Christoph Schmid sagt: „Bei der völkerrechtlichen Grundlage haben wir noch Fragen. Es muss sorgfältig geprüft werden, ob die UN-Resolution aus dem März eine Grundlage im Rahmen eines Systems kollektiver Sicherheit sein kann.“ Kanzler Friedrich Merz (CDU) hofft auf einen Bundestagsbeschluss vor der Sommerpause bis zum 10. Juli. Schmid betont jedoch: „Es ist in einem derart sensiblen Fall wichtig, dass die parlamentarische Befassung in geordneter Weise möglich ist.“ Auch der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), stellt klar: „Es gibt keinen Einsatz in der Region, ohne dass die Rahmenbedingungen endgültig geklärt sind.“
Mehrheit der Deutschen unterstützt Mission
Für die Soldaten heißt es weiterhin abwarten. Immerhin steht die Bevölkerung mehrheitlich hinter ihnen: Im aktuellen ZDF-Politbarometer sprechen sich 57 Prozent der Befragten für eine deutsche Beteiligung an einem Sicherungseinsatz aus, wenn es zu einem dauerhaften Waffenstillstand kommt. Nur 38 Prozent sind dagegen.



