Zehntausende Deutsche in Nahost gestrandet: Staatliche Rückholflüge kosten bis zu 500 Euro
Deutsche in Nahost gestrandet: Rückholflüge kosten bis 500€

Zehntausende Deutsche in Nahost gestrandet: Staatliche Rückholflüge kosten bis zu 500 Euro

Frankfurt/Main • Der erste Evakuierungsflug im Auftrag der Bundesregierung landete am frühen Donnerstagmorgen am Frankfurter Flughafen. Im Ankunftsbereich herrschte pure Erleichterung bei den mehr als 250 Passagieren aus Maskat, die wieder heimischen Boden unter den Füßen hatten und in Sicherheit vor Bomben und Raketen waren. Allerdings waren sie jeweils um 500 Euro ärmer, denn gratis war das Ticket entgegen mancher Mutmaßungen nicht.

Touristen harren am arabischen Golf aus

Zur gleichen Zeit harren noch zehntausende Touristen am arabischen Golf aus. Ihre Rückkehr gestaltet sich wegen der heiklen Sicherheitslage äußerst schwierig. Nach Schätzungen des Deutschen Reiseverbands waren anfangs rund 30.000 Kunden deutscher Reiseanbieter im Krisengebiet gestrandet. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Flugpassagieren, die beim Umsteigen an den Drehkreuzen der arabischen Fluggesellschaften wie Qatar, Etihad oder Emirates vom Krieg kalt erwischt wurden.

Flugausfälle und Evakuierungsmaßnahmen

Laut Daten des IT-Dienstleisters Cirium sind seit Beginn der Attacken in der Golfregion bis einschließlich Freitag mehr als 29.000 geplante Flüge ausgefallen. Mindestens eine vierstellige Zahl deutscher Urlauber ist inzwischen wieder zu Hause. Die Bundesregierung hat bislang vier Flüge gechartert. Neben drei Flügen aus dem Oman sollen Passagiere am Sonntag auch im saudischen Riad starten.

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Dorthin hat zudem die Lufthansa-Tochter Eurowings ein erstes eigenes Flugzeug geschickt, um rund 150 Touristen nach Köln zurückzuholen. Es handelt sich um den ersten eigenen Rückholflug der Lufthansa Group nach Deutschland. Insgesamt sei die Airline-Gruppe an bislang zehn Hilfsflügen im Auftrag unterschiedlicher nationaler Regierungen beteiligt, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Kosten für die Passagiere

Pauschaltouristen und Passagiere, die von ihrer Airline Ersatzflüge erhalten haben, zahlen zusätzlich nichts. Anders sieht es bei den Teilnehmern der eigens organisierten Evakuierungsflüge der Bundesregierung aus. Zufrieden stellt der Bund der Steuerzahler fest, dass der Staat bereits in der Vergangenheit etwa bei Corona kein „Rundum-Sorglos-Paket“ ausgestellt hat.

Stattdessen gab es je nach Entfernung Gebührenbescheide zwischen 200 und 1.000 Euro, wie der Reiserechtsexperte Paul Degott berichtet. Diese Pauschalen deckten nach seiner Einschätzung die tatsächlichen Kosten nicht und seien eher als kulant anzusehen. Das gelte auch für die nun erhobenen 500 Euro auf dem Maskat-Flug.

Rechtliche Grundlagen

Grundlage für die staatliche Hilfe ist das Konsulargesetz, das bei Naturkatastrophen, Kriegen oder revolutionären Verwicklungen vorsieht, den Deutschen im betroffenen Gebiet Hilfe und Schutz zu gewähren. Der konsularische Schutz kann in bestimmten Fällen auch Rückholaktionen beinhalten, sagt Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherschutzzentrum Deutschland.

Es bestehe aber kein direkter Rechtsanspruch auf Rückholaktionen, die aus Sicht der Behörden freiwillige Maßnahmen bleiben. Finden sie dennoch statt, sind die Hilfeempfänger zum Ersatz verpflichtet. Die Kosten müssen also grundsätzlich in Rechnung gestellt werden.

Normalisierung des Flugverkehrs

Allmählich kommen wieder mehr Flugzeuge aus dem Nahen Osten heraus. Am Flughafen Dubai sollte es laut Cirium am Freitag nach 280 Absagen noch mehr als 320 Starts geben. Bereits seit Dienstag starten dort wieder die Riesenjets der heimischen Gesellschaft „Emirates“ in die ganze Welt, teils unter Militärschutz. Die Gesellschaften der Lufthansa-Gruppe fliegen hingegen noch mindestens bis einschließlich Dienstag aus Sicherheitsgründen nicht ins direkte Krisengebiet.

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