Der Ukraine-Konflikt steckt in einer Sackgasse: Nach dem Ende der von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenruhe überziehen sich Russland und die Ukraine gegenseitig massiv mit Luftangriffen. Ein Krieg der Drohnen prägt das Geschehen, während es am Boden kaum Bewegung gibt. Die Front ist keine Linie mehr, sondern eine „graue Zone“ des Todes von über 1.000 Kilometern Länge und stellenweise bis zu 20 Kilometern Breite.
Auch die Verhandlungen zu einem Kriegsende stecken fest. Kremlchef Wladimir Putin hatte zwar angedeutet, dass sich der Krieg dem Ende zuneige, bezog dies aber auf die Erwartung, dass sich Präsident Wolodymyr Selenskyj den russischen Bedingungen beuge. Selenskyj lehnt dies ab, sodass die Zeichen auf Kampf stehen.
Der Russland-Experte Matthias Uhl sagt in seinem neuen Buch „Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht“ (Herder): „Im Moment wird sich der Abnutzungskrieg erst einmal fortsetzen.“ Es gebe historische Beispiele, dass Kriege trotz Erschöpfung und Friedensbekundungen noch Jahre dauerten, weil jede Seite glaubte, kurz vor einem Sieg zu stehen.
Uhl betont, dass Russland aufgrund seiner Ressourcen weiter Krieg führen könne. Zwar gebe es wirtschaftliche Probleme durch Sanktionen, aber der erwartete Systemkollaps bleibe aus. Der russische Militärexperte Dmitri Kusnez von der kremlkritischen Plattform „Meduza“ sieht durch hohe Ölpreise eine Entspannung für Putins Kriegskasse, bezweifelt aber, dass der Donbass bis Ende Herbst erobert werden kann.
„Gegen die Übermacht der Drohnen scheint es gegenwärtig noch kein Instrument zu geben“, erklärt Uhl. Die Ukrainer zerlegten zunehmend die russische Luftabwehr und versuchten, die Krim von der Versorgung abzuschneiden. Selenskyj kündigte an, Angriffe auf die russische Ölindustrie zu intensivieren. Hardliner in Russland verstärken den Druck auf den Kreml, den Einsatz zu erhöhen. Uhl hält eine weitere Teilmobilmachung oder die Umwandlung der „militärischen Spezialoperation“ in eine „Anti-Terror-Operation“ für möglich, um Wehrpflichtige einsetzen zu können.



