EU-Abgeordnete fordern Abschaffung der Zeitumstellung: Gesundheitsrisiken und Blockade im Rat
EU fordert Ende der Zeitumstellung: Gesundheitsrisiken im Fokus

EU-Parlamentarier erhöhen Druck für Ende der Zeitumstellung

In der Nacht vom 28. auf den 29. März werden die Uhren erneut eine Stunde vorgestellt – von 2 Uhr auf 3 Uhr. Doch diese umstrittene Praxis könnte bald der Vergangenheit angehören. Der Schwäbischen Zeitung liegt exklusiv ein Schreiben der EVP-Fraktion an alle EU-Verkehrsminister vor, das die sofortige Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung fordert.

Gesundheitsrisiken wissenschaftlich belegt

Der Ravensburger EU-Abgeordnete Norbert Lins, einer der Initiatoren des Schreibens, betont die negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung: „Die schädlichen Effekte auf Schlafqualität und Biorhythmus sind mittlerweile eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen. Die angeblichen Energieeinsparungen aus den 1980er-Jahren spielen in der heutigen Zeit praktisch keine Rolle mehr.“

Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit untermauert diese Bedenken mit alarmierenden Zahlen:

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  • Fast 40 Prozent der Frauen berichten über gesundheitliche Probleme nach der Zeitumstellung
  • Bei Männern sind es immer noch 22 Prozent
  • Häufigste Beschwerden sind Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Frauen leiden deutlich häufiger unter Gereiztheit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen

Acht Jahre Stillstand im Verkehrsministerrat

Das Schreiben der EVP-Fraktion, das neben Lins auch von Peter Liese mitgetragen wird, kritisiert scharf die anhaltende Blockadehaltung: „Seit acht Jahren gibt es keine substanziellen Fortschritte im Rat. Die Richtlinie ist völlig veraltet und nicht mehr zeitgemäß.“

Die Verkehrsminister der Mitgliedstaaten konnten sich bisher nicht auf eine einheitliche Lösung einigen. Während einige Länder die dauerhafte Sommerzeit bevorzugen, plädieren andere für die ewige Winterzeit. Griechenland und Zypern möchten sogar am aktuellen System festhalten.

Regionale Unterschiede erschweren Einigung

Die geografische Lage der EU-Länder stellt ein zusätzliches Hindernis dar:

  1. Bei dauerhafter Sommerzeit würden Städte wie Amsterdam und Madrid im Winter erst am späten Vormittag Tageslicht erhalten
  2. Mit durchgängiger Winterzeit ginge die Sonne in Warschau und Stockholm im Sommer bereits mitten in der Nacht auf
  3. In Deutschland wären helle Sommerabende deutlich kürzer

Diese regionalen Unterschiede führen dazu, dass viele Regierungen keine klare Position beziehen können oder wollen.

Bürgerbefragung zeigt eindeutige Mehrheit

Eine öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission ergab, dass 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung sind. Obwohl diese Umfrage nicht statistisch repräsentativ war, spiegelt sie einen klaren Trend wider, der durch zahlreiche nationale Studien bestätigt wird.

EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas hatte sich im Oktober 2025 deutlich für eine Lösung des Problems ausgesprochen und angekündigt, die Blockade im Rat beenden zu wollen. Bisher ist jedoch nichts geschehen.

Glaubwürdigkeit der EU auf dem Spiel

Lins und seine Mitstreiter warnen vor den Konsequenzen der anhaltenden Untätigkeit: „Die Glaubwürdigkeit des Europäischen Parlaments steht auf dem Spiel. Wenn argumentiert wird, dass manche EU-Gesetze oberflächlich seien, ist dies ein Paradebeispiel.“

Im Schreiben heißt es weiter: „Europa verbietet den Mitgliedstaaten aktuell die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung. Dies ist schwer zu rechtfertigen, da die ursprünglich erwarteten Vorteile nie überzeugend nachgewiesen wurden und heute als irrelevant gelten.“

Abschließend betont Lins: „Das Thema bleibt ein Dauerbrenner, der dringend gelöst werden muss. Unser Brief soll dazu beitragen, die Zeitumstellung wieder auf die Tagesordnung zu setzen und endlich konkrete Maßnahmen einzuleiten.“

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