EU-Kommissar Kubilius: Große Rüstungsprojekte scheitern an nationaler Eigenbrötlerei
EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius hat in einem Interview mit dem SPIEGEL scharfe Kritik an der mangelnden Kooperation der Mitgliedstaaten bei großen gemeinsamen Rüstungsprojekten geübt. „Bei der Verteidigung fällt mir kaum ein gelungenes Projekt ein“, sagte der litauische Politiker. Er beklagte die nationalstaatliche Eigenbrötlerei, die effiziente und kostensparende Lösungen verhindere.
Deutschland in der Verantwortung
Kubilius betonte, dass Deutschland seiner Verantwortung gerecht werden müsse. Die deutschen Milliarden für das Militär seien ein wichtiges Signal, aber ohne europäische Kooperation drohten sie wirkungslos zu verpuffen. „Wir müssen endlich gemeinsam denken und handeln, sonst bleiben wir hinter unseren Möglichkeiten zurück“, warnte der Kommissar.
Mangel an Erfolgsprojekten
Der EU-Verteidigungskommissar verwies auf das Scheitern mehrerer großer Vorhaben, etwa bei der Entwicklung gemeinsamer Drohnen oder Kampfflugzeuge. Stattdessen setzten die Nationalstaaten weiterhin auf eigene Projekte, was zu hohen Kosten und Doppelarbeit führe. „Das können wir uns in Zeiten knapper Kassen nicht leisten“, so Kubilius.
Risiken der deutschen Militärausgaben
Mit Blick auf die von der Bundesregierung angekündigten Milliardeninvestitionen für die Bundeswehr warnte Kubilius vor einem Rückfall in nationale Alleingänge. „Die Gelder sind gut, aber sie müssen in europäische Projekte fließen, sonst verschärfen sie die Fragmentierung“, sagte er. Die EU-Kommission arbeite an neuen Anreizen für gemeinsame Rüstungsprojekte, doch der politische Wille der Mitgliedstaaten sei entscheidend.
Das Interview mit Andrius Kubilius führten Marina Kormbaki und Timo Lehmann. Es erschien ursprünglich am 18. Juni 2026 im SPIEGEL.



