Gastkommentar: Europas Munitionsmangel erfordert radikale Wende in der Rüstungspolitik
Europas Munitionsmangel erfordert radikale Wende

„Winchester“ ist ein militärisches Kurzwort und bedeutet: keine Munition mehr. Der Konflikt in der Ukraine und der Krieg gegen den Iran haben eine Illusion zerstört: die Vorstellung einer Welt, in der technologische Überlegenheit den Mangel an der Zahl von Waffen ausgleichen könnte. Dies schreiben General Eric Autellet, Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger und JEDI-Präsident André Loesekrug-Pietri in einem Gastkommentar.

Strategische Realität 2026: Bestände und Produktionstempo entscheiden

Die strategische Realität des Jahres 2026 ist unerbittlich: Krieg bleibt eine Frage von Beständen, Produktionstempo und Grenzkosten. In der Ukraine wurde die Drohnenproduktion innerhalb von zwei Jahren verfünfzigfacht. Im Golf schlagen Angriffe mit billigen Waffen die ausgefeiltesten Verteidigungssysteme. Jede Abfangaktion erfordert Systeme, die das Hundertfache der Bedrohung kosten.

Dieses Ungleichgewicht der Kosten für den Angriff und für die Verteidigung – im Fachjargon „Cost Exchange Ratio“ – definiert die militärischen Kräfteverhältnisse neu. Europa müsse dringend handeln, so die Autoren, sonst gehe ihm in einem Krieg die Munition aus.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Der Fall Iran als Warnsignal

Teheran hat seine Fähigkeit bewiesen, Drohnen, ballistische Raketen und Marschflugkörper in koordinierten Angriffen zu kombinieren, um die Widerstandsfähigkeit westlicher Systeme zu testen. Das Ziel: die gegnerischen Bestände erschöpfen, die Grenzen ihrer Produktionsketten aufzeigen und ein Tempo erzwingen, dem Demokratien kaum folgen können. Es geht darum, industrielle Abnutzung ebenso zu organisieren wie taktische Abnutzung.

Die bisherige Militär-Strategie von Qualität statt Masse reiche nicht mehr, betonen Autellet, Ischinger und Loesekrug-Pietri. Europa müsse seine Verteidigungsindustrie grundlegend umbauen, um in kürzester Zeit große Stückzahlen kostengünstiger Waffen produzieren zu können. Nur so könne die Handlungsfähigkeit im Ernstfall gesichert werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration