Der Brexit-Anführer und Vorsitzende der rechten Partei „Reform UK“, Nigel Farage, hat überraschend sein Mandat im britischen Unterhaus niedergelegt. In einer spontanen Pressekonferenz in London erklärte der 62-Jährige: „Ich habe lange darüber nachgedacht und mich heute dazu entschieden: Ich werde heute als Abgeordneter für Clacton zurücktreten.“ Hintergrund sind Vorwürfe, er habe finanzielle Spenden nicht ordnungsgemäß deklariert.
Farage will Nachwahl erzwingen
Mit dem Rücktritt will Farage eine Nachwahl in seinem Wahlkreis Clacton erzwingen, bei der er erneut kandidieren möchte. „Ich habe beschlossen, dass die Einwohner von Clacton über meine Handlungen urteilen sollen“, sagte Farage. „Deshalb werde ich mich für diese Nachwahl aufstellen lassen. Ich werde kämpfen, um zu gewinnen.“ Beobachter sehen darin ein riskantes Manöver: Farage inszeniert sich als Opfer einer Kampagne der Eliten und hofft, durch eine Wiederwahl zu beweisen, dass diese Eliten gegen den Willen des Volkes handeln.
Vorwürfe der nicht deklarierten Spenden
Farage beteuerte in seiner Ansprache seine Unschuld: „Ich habe in keiner Weise gegen das Gesetz verstoßen.“ Eine Aufsichtsinstanz des Parlaments hat jedoch eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Grund ist eine Zuwendung in Höhe von fünf Millionen Pfund (5,9 Millionen Euro) von einem in Thailand lebenden Krypto-Milliardär. Zudem forderte Josh Babarinde, Abgeordneter der oppositionellen Liberaldemokraten, am Sonntag eine weitere Untersuchung wegen Spenden von einem verurteilten Betrüger. Es sei höchst fraglich, ob Farage „seinen Verpflichtungen gemäß dem Verhaltenskodex“ für Mitglieder des Unterhauses nachgekommen sei, so Babarinde.
Farage als möglicher künftiger Premier
Trotz der Affäre gilt Farage als möglicher kommender Ministerpräsident Großbritanniens. Seine „Reform UK“-Partei ist in Umfragen seit rund einem Jahr die stärkste politische Kraft des Landes. Der Ausgang der Nachwahl in Clacton wird daher mit Spannung erwartet.



