Joschka Fischer warnt vor Trump: „Das 21. Jahrhundert wird nicht mehr das Jahrhundert Amerikas sein“
Fischer: Trump hat keine Strategie - Westen praktisch nicht mehr

Ex-Außenminister Fischer mit drastischer Analyse der Weltlage

Joschka Fischer (77), eine der schillerndsten Figuren der deutschen Politikgeschichte, blickt mit großer Sorge auf die aktuelle internationale Situation. Der ehemalige Bundesaußenminister und Grünen-Politiker, der sich vom Nato-Verächter zum überzeugten Transatlantiker entwickelte, äußert sich im Interview mit dem „Handelsblatt“ in ungewöhnlich deutlichen Worten.

„Völlig verrückte, ja gespenstische Idee“

Fischer zeigt sich besonders besorgt über mögliche militärische Entwicklungen im Iran. „Das ultimative Ziel ist meines Erachtens tatsächlich Regime Change“, analysiert der erfahrene Politiker. „Nur was danach kommt, bleibt völlig unklar.“ Die Vorstellung, kurdische Bodentruppen könnten mobilisiert werden, bereitet ihm „ein ganz schlechtes Gefühl“. Seine deutliche Warnung: „Das könnte auf einen Bürgerkrieg und auch auf ein Aufbrechen der staatlichen Einheit des Irans, also auf ein gefährliches Chaos hinauslaufen.“ Bodentruppen im Iran bezeichnet Fischer als „völlig verrückte, ja gespenstische Idee“.

Knallhartes Urteil über Donald Trump

Beim Blick auf die USA und deren ehemaligen Präsidenten Donald Trump (79) wird Fischers Analyse noch drastischer. „Ich sehe keine Strategie, keine langen Linien, keine Verlässlichkeit“, urteilt der Grünen-Politiker über Trumps Vorgehen. Dieser agiere „aus dem Bauch heraus, je nach Tagesgefühl“ und habe wichtige Zusammenhänge nicht zu Ende gedacht.

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Fischer diagnostiziert einen grundlegenden Wandel: „Wir befinden uns in einer Übergangsphase, in der die USA sich zu einer imperialen Macht transformieren.“ Die Vereinigten Staaten seien auf dem Weg zu einer Oligarchie und entfernten sich immer weiter von der freien Marktwirtschaft.

Das Ende des transatlantischen Bündnisses

Das transatlantische Bündnis, jahrzehntelang Grundpfeiler der westlichen Sicherheitsarchitektur, ist für Joschka Fischer Geschichte. Dieses müsse „man abschreiben, und damit den Westen insgesamt.“ Seine Prognose fällt düster aus: „Das 21. Jahrhundert wird nicht mehr das Jahrhundert Amerikas sein.“

Amerika habe „seinen Zenit überschritten“ und beschleunige den eigenen Abstieg „dadurch, dass es unter Trump den Westen eliminiert – und zwar mutwillig. Es gibt den Westen praktisch nicht mehr.“ Diese Entwicklung stellt Europa vor enorme Herausforderungen.

Europas neue Verantwortung

Die Europäer seien jetzt auf sich allein gestellt und müssten endlich lernen, ihre Kräfte zu bündeln. Fischers Appell ist deutlich: „Getrennt sind wir schwach, gemeinsam aber sind wir immer noch eine Macht!“ Der ehemalige Außenminister betont die Dringlichkeit europäischer Einigkeit in einer sich fundamental verändernden Weltordnung.

Zwiegespaltene Haltung zum Völkerrecht

Beim Thema Völkerrecht zeigt sich Fischer ambivalent. Einerseits kritisiert er, dass es „die Unterdrücker und die Tyrannen, die ihre Völker massakrieren“ schütze. Andererseits warnt er nachdrücklich: „Eine Welt ohne Völkerrecht, in der nur Macht zählt, ist eine schlechte, eine unsicherere Welt.“

Die Analyse des erfahrenen Politikers zeichnet das Bild einer Welt im Umbruch, in der alte Gewissheiten schwinden und neue Gefahren entstehen. Fischers Warnungen fallen in eine Zeit, in der internationale Spannungen zunehmen und die Suche nach neuen strategischen Ansätzen dringlicher wird denn je.

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