Kanzleramtsminister Thorsten Frei (52, CDU) ist während eines Besuchs in der Ukraine in die schwersten russischen Raketen- und Drohnenangriffe auf Kiew geraten. Gemeinsam mit BND-Präsident Martin Jäger (61) war Frei, der auch Beauftragter für die Nachrichtendienste ist, von Donnerstag bis Freitag vor Ort. Er gilt als wichtigster Vertrauter von Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) in der Regierung.
Ankunft nach verheerender Angriffswelle
Frei erreichte die ukrainische Hauptstadt am Donnerstagmorgen unmittelbar nach einer verheerenden Angriffswelle mit mehr als 1000 russischen Drohnen, die unter anderem ein neunstöckiges Wohngebäude vollständig zerstörte. „Ich konnte mir persönlich ein Bild von den Zerstörungen machen. Die Einschläge trafen keine militärische Infrastruktur, sondern zivile Gebäude“, sagte Frei.
Nächtlicher Schutzraum-Aufenthalt
In der Nacht auf Freitag folgte die zweite Welle des landesweiten Großangriffs, bei dem Russland insgesamt mehr als 1500 Drohnen und 60 Raketen abfeuerte. In den frühen Morgenstunden musste der Kanzleramtsminister in den Schutzraum des Hotels wechseln. „In der Nacht zum Freitag gab es erneut Luftalarm. Ich bin daraufhin in den frühen Morgenstunden in den Schutzraum des Hotels gegangen. Mitarbeiter der Botschaft berichteten mir später, dass sie Einschläge gehört hatten; ich selbst habe keine wahrgenommen. Mir wurde erzählt, dass man vor allem das Summen der Drohnen hört, ohne zu wissen, wo genau sie einschlagen werden“, so Frei.
Angst habe er nicht gehabt, da die Schutzmaßnahmen vor Ort hervorragend organisiert seien. Die Situation der Menschen bewegte den Minister tief: „Die wahre Herausforderung betrifft die Menschen, die hier täglich leben und diese Angriffe permanent miterleben müssen. Lokalbeschäftigte der Botschaft haben mir davon berichtet und es hat mich sehr betroffen gemacht. Ihre Kraft und ihr Durchhaltewillen haben mich sehr beeindruckt. Es ist absolut bewundernswert, woher die Bevölkerung die Kraft nimmt, sich trotz allem eine gewisse Normalität zu bewahren.“
Hochkarätige Gespräche trotz Bombenhagel
Trotz des anhaltenden Bombenhagels absolvierte Frei ein hochkarätiges politisches Programm. Er kam zu Krisengesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Vertretern seines Präsidialamtes zusammen, auch BND-Präsident Martin Jäger nahm daran teil. Die Eindrücke aus Kiew haben direkte Auswirkungen auf die deutsche Sicherheitspolitik. Frei kündigte eine drastische Kehrtwende beim Schutz der eigenen Bevölkerung und der deutschen Städte an. „Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit definitiv verbessern – das gilt ausdrücklich auch für den Zivil- und Katastrophenschutz“, forderte der Minister. Von der Ukraine und ihrer Innovationskraft im Krieg könne Deutschland viel lernen.
Neuer Pakt für den Bevölkerungsschutz
Konkret kündigte der Kanzleramtsminister eine Schutz-Offensive für Deutschland an, die bereits in der kommenden Woche formal beschlossen werden soll: „Wir müssen unsere Schutzkonzepte dringend ausbauen und werden dafür auch weitere Mittel bereitstellen. Wir werden am Mittwoch Eckpunkte zum ‚Pakt für den Bevölkerungsschutz‘ im Kabinett verabschieden. Uns ist völlig bewusst, dass wir deutlich mehr tun müssen als bisher.“



