Das Ende einer umstrittenen Ära: Grenzschutz-Kommandeur Greg Bovino verlässt seinen Posten
Der als Symbolfigur der radikalen Migrations- und Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump bekannt gewordene Grenzschutzkommandeur Greg Bovino geht vorzeitig in den Ruhestand. Die New York Times und das rechte Internetportal Breitbart erhielten die Bestätigung für Bovinos Rückzug direkt von ihm selbst. Andere US-Medien wie der Sender NBC News meldeten unter Berufung auf Informanten bei der Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP, dass der für sein martialisches Auftreten bekannte Protegé des Präsidenten Ende des Monats seinen Hut nehmen wird – und das ein Jahr vor dem für CBP-Beamte verpflichtenden Pensionierungsalter von 57 Jahren.
Ein Name, der für Kontroversen steht
Kaum ein Name und Gesicht wurde in den Vereinigten Staaten so sehr mit den umstrittenen Razzien gegen Migranten ohne Aufenthaltsrecht in Verbindung gebracht wie das von Greg Bovino. Als „commander at large“ – also Chef eines mobilen Kommandos der Border Patrol – war er in mehreren Großstädten an vorderster Front im Einsatz. Dabei erwarb er sich den Ruf, betont rücksichtslos vorzugehen und seine hochgerüsteten Beamten selbst im Falle auf Video dokumentierter Gewaltexzesse weiter eisern zu verteidigen.
Bovinos hollywoodreife Social-Media-Clips sorgten für Vergleiche mit paramilitärischen Einheiten oder Polizeibehörden in autokratischen Systemen. Mit seiner berüchtigten „turn and burn“-Taktik, dem blitzschnellen, aggressiven Vorgehen gegen mutmaßlich illegal eingewanderte Migranten und alle, die sich seinen Beamten in den Weg stellten, schockierte er viele Amerikaner. Bei Präsident Trump verschaffte ihm dieses rabiate Auftreten hingegen große Anerkennung und Unterstützung.
Tödliche Vorfälle als Wendepunkt
Erst nach zwei Vorfällen mit tödlichen Schüssen von Grenzschützern auf US-Bürger in Minneapolis wurde Bovino als Einsatzleiter abgezogen. Vorher war er noch vor die Presse getreten und hatte behauptet, der Krankenpfleger Alex Pretti habe ein „Massaker“ unter seinen Beamten anrichten wollen und sei aus Notwehr erschossen worden – obwohl er als Einsatzleiter keinerlei Belege dafür liefern konnte und Videos von der Szene seiner Schilderung eindeutig widersprachen. Mit der Bekanntgabe seiner Versetzung nach Kalifornien nahm ihn das Innenministerium dann aus der Schusslinie der öffentlichen Kritik.
Martialisches Image und politische Kontroversen
Auf seinen Social-Media-Accounts präsentiert sich der wegen seiner geringen Körpergröße als „Little Napoleon“ verspottete Grenzschützer gern in martialischen Posen. Wegen seines auffälligen Haarschnitts und zweireihigen Mantels mit ausladendem Kragen wurde ihm vorgeworfen, sich dabei einer Nazi-Ästhetik zu bedienen. Bovinos Garderobe sehe aus, als habe er gezielt bei Ebay nach einer SS-Kluft Ausschau gehalten, höhnte der demokratische Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom. Bovino wies diese Vorwürfe stets entschieden zurück und betonte seine professionelle Haltung im Dienst.
Sein rabiates Auftreten verschaffte Bovino nicht nur Anerkennung bei Präsident Trump, sondern machte ihn auch zu einer polarisierenden Figur in der amerikanischen Öffentlichkeit. Während seine Befürworter ihn als entschlossenen Verteidiger der nationalen Sicherheit feierten, sahen Kritiker in ihm ein Symbol für exzessive Gewalt und Menschenrechtsverletzungen an der Grenze.



