Ägypten hat mit einer aufwendigen Zeremonie das neue Hauptquartier seiner Streitkräfte eingeweiht, das nach Beobachterangaben nun das größte seiner Art weltweit ist. Der Komplex mit dem Namen „Octagon“ (Achteck) erstreckt sich über rund 90 Quadratkilometer – das entspricht der Fläche der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Zum Vergleich: Das Pentagon, der Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums, galt lange als größter Bau dieser Art, wird nun aber von Ägyptens Megaprojekt übertroffen.
Präsident Sisi zeigt sich in Militäruniform
Präsident Abdel Fattah el-Sisi, selbst ein ehemaliger General, trat bei der Eröffnungszeremonie erstmals seit mehr als zehn Jahren öffentlich in Militäruniform auf. Er bezeichnete den Komplex als „Beweis für den Willen einer Nation, die das Unmögliche nicht kennt“. Auf dem Weg zum „Octagon“ wurde er von Kampfhubschraubern begleitet und besichtigte dort militärisches Gerät. Der Name des Komplexes verweist auf acht zentrale Gebäude mit achteckigem Grundriss, könnte aber auch eine Anspielung auf das Pentagon sein.
Militärische Großprojekte trotz Wirtschaftskrise
Die Einweihung des „Octagon“ erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Ägypten unter einer der schwersten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten leidet. Die Auslandsverschuldung des Landes beträgt umgerechnet 143 Milliarden Euro. Viele Ägypter machen Sisi und seine Megaprojekte für die Krise verantwortlich. Der Komplex liegt in der neuen Verwaltungshauptstadt in der Wüste östlich von Kairo und gehört mit geschätzten Kosten von 50 Milliarden Euro zu den teuersten Projekten seit Sisis Machtübernahme.
Hoffnung auf IWF-Hilfen
Trotz der Krise kann Ägypten auf weitere Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) hoffen. Man habe sich auf Arbeitsebene auf die Überprüfung zweier Finanzvereinbarungen geeinigt, teilte der IWF am Montag mit. Die endgültige Auszahlung von rund 1,6 Milliarden Dollar steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des IWF-Exekutivdirektoriums. Der IWF erklärte, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf Ägypten seien dank entschlossener politischer Maßnahmen „relativ begrenzt“ geblieben. Dazu zählten Anpassungen der Kraftstoff- und Strompreise sowie Ausgabenkürzungen der Regierung.
Wirtschaftliche Herausforderungen und Empfehlungen
Die ägyptische Wirtschaft leidet besonders unter den Folgen des Krieges zwischen den USA und Israel gegen Iran, der die fragile Stabilität des Landes belastet. Das Land ist auf ausländische Kapitalzuflüsse und Gasimporte angewiesen. Der IWF empfahl Ägypten, eine straffe Geldpolitik beizubehalten, um den Inflationsdruck einzudämmen. Die Teuerungsrate lag im Mai bei 14,6 Prozent. Zudem sei eine rasche Umsetzung der Privatisierungspläne entscheidend, um das Wachstum des Privatsektors zu fördern. Im März 2024 hatte der IWF sein ursprünglich im Dezember 2022 vereinbartes Kreditprogramm für Ägypten von drei auf acht Milliarden Dollar aufgestockt.



