IOC hebt Suspendierung auf: Russlands Rückkehr in den Sport umstritten
IOC hebt Suspendierung auf: Russlands Rückkehr in den Sport

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat am Dienstag die Suspendierung Russlands aufgehoben und damit den Weg für eine Rückkehr des Landes zu den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles freigemacht. Die Entscheidung stößt auf geteilte Reaktionen: Während Russlands Staatsführung sie begrüßt, kommt aus der Ukraine und von deutschen Politikern scharfe Kritik.

Hintergrund: Krieg im 53. Monat

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine dauert nunmehr seit 53 Monaten an. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar. Das IOC begründet seine Kehrtwende mit dem Neutralitätsprinzip im Sport: Athleten sollten nicht für die Handlungen ihrer Regierungen bestraft werden. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sagte: „Wir wollen, dass alle Athleten die Möglichkeit haben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, und nicht für die Handlungen ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden.“

Vorläufige Entscheidung mit Hintertüren

Der Beschluss gilt zunächst als vorläufig und ist an das künftige Verhalten Russlands geknüpft. Zudem ist noch nicht entschieden, ob russische Flagge oder Hymne bei den Spielen zugelassen werden. Das IOC überlässt die endgültige Entscheidung über die Teilnahme russischer Athleten und Teams den einzelnen Sportverbänden. Dies könnte zu einem Durcheinander führen, da Verbände unterschiedlich entscheiden könnten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Reaktionen aus Deutschland

Berlins Olympiabeauftragter Kaweh Niroomand zeigte Verständnis für die IOC-Entscheidung. „Ich kann die Entscheidung nachvollziehen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Es ist bedauerlich, wenn Athletinnen und Athleten unter den Fehlern ihrer Regierungen leiden und deshalb von der internationalen Sportgemeinschaft gemieden werden.“ Er wies darauf hin, dass viele Länder außerhalb Westeuropas eine andere Haltung zum Ukraine-Krieg hätten. Niroomand befürwortete einen Start unter neutraler Flagge, um Propagandazwecke von Präsident Wladimir Putin zu verhindern.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterstützte die Entscheidung ebenfalls. In einer Mitteilung hieß es: „In einer Welt voller Konflikte, kriegerischer Auseinandersetzungen und wirtschaftlicher Verwerfungen ist der Weltsport mehr als je zuvor herausgefordert, in seiner Funktion als Brückenbauer zwischen den Menschen wirken zu können.“

Scharfe Kritik aus Politik und Ukraine

Die Vorsitzende des Sportausschusses, Aydan Özoğuz, reagierte enttäuscht. „Die Entscheidung des IOC ist ein falsches Signal. Während Russland die Ukraine weiterhin und mit unverminderter Härte bombardiert, werden Sanktionen zurückgenommen und Athletinnen und Athleten wieder zugelassen“, teilte sie dem Tagesspiegel mit. „In Zeiten schlimmer Kriege und Auseinandersetzungen legt das IOC lieber den Rückwärtsgang ein und verschafft sich damit einen Freifahrtschein, wegsehen zu dürfen.“

Noch deutlicher fiel die Kritik aus der Ukraine aus. Das ukrainische Außenministerium bezeichnete den Schritt als „zutiefst besorgniserregendes Signal“ an die internationale Gemeinschaft. Es forderte die internationalen Sportverbände auf, die Beschränkungen für russische Vertreter aufrechtzuerhalten. Die Ukraine werde weiter mit ihren Partnern daran arbeiten, sicherzustellen, dass der internationale Sport „niemals als Instrument zur Legitimierung von Aggression“ genutzt werde.

Russland begrüßt Entscheidung

Kremlsprecher Dmitri Peskow begrüßte die Kehrtwende des IOC am Mittwoch. Sie sei „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Wiederherstellung der legitimen Rechte unserer Sportler auf die Teilnahme an internationalen Wettbewerben“. Zuvor war Russland nur einzelnen Athleten mit neutralem Status gestattet, an Olympia teilzunehmen.

Die Entscheidung des IOC markiert einen Wendepunkt im Umgang des Weltsports mit Russland. Ob sie Bestand haben wird, hängt maßgeblich vom weiteren Verhalten Russlands ab.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration