Iranisches Atomprogramm: Westen in schwächerer Position
Donald Trump behauptet, Iran werde nie eine Atombombe haben. Doch die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm stehen erst am Anfang. Laut Rüstungskontrollexpertin Kelsey Davenport müsste der Westen Teheran erhebliche Zugeständnisse für einen Atomdeal machen. Ein Interview von Claus Hecking aus Boston.
Die Ausgangslage nach den US-Militärschlägen
Nach den US-Militärschlägen auf die iranische Atomanlage Fordo im Juni 2025 ist völlig unklar, wie es um das iranische Atomprogramm steht. Die Angriffe haben die Anlage schwer beschädigt, aber Experten sind sich uneinig über den genauen Zustand der iranischen Nuklearinfrastruktur. Kelsey Davenport, Direktorin für Rüstungskontrolle bei der Arms Control Association, betont, dass die Unsicherheit die Verhandlungsposition des Westens schwächt.
Verhandlungsposition des Westens
„Der Westen ist in einer viel schlechteren Verhandlungsposition als vor dem Krieg“, sagt Davenport. „Iran hat nach den Angriffen weniger Anreize, Zugeständnisse zu machen, und kann auf Zeit spielen.“ Gleichzeitig habe Teheran gezeigt, dass es bereit sei, militärische Konfrontationen in Kauf zu nehmen, um sein Atomprogramm voranzutreiben. Die USA und ihre Verbündeten müssten daher einen neuen Ansatz finden, um Iran zu einem Deal zu bewegen.
Mögliche Zugeständnisse
Laut Davenport müsste der Westen Iran erhebliche Zugeständnisse anbieten, darunter die Aufhebung von Sanktionen und Sicherheitsgarantien. „Ohne solche Angebote wird Iran nicht verhandeln.“ Gleichzeitig warnt sie davor, dass ein zu schwacher Deal das Nichtverbreitungsregime untergraben könnte. Die Verhandlungen werden voraussichtlich langwierig und komplex sein, da beide Seiten tiefes Misstrauen hegen.
Ausblick
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine diplomatische Lösung möglich ist. Davenport bleibt skeptisch: „Die Zeit arbeitet gegen den Westen. Je länger die Verhandlungen dauern, desto weiter wird Iran sein Atomprogramm vorantreiben.“ Ein Scheitern der Gespräche könnte zu einer weiteren Eskalation führen, warnt die Expertin.



