Warum manche Hitze besser vertragen als andere
Warum manche Hitze besser vertragen als andere

Es sollte eine harmlose Wanderung zu einem Wasserfall sein. Ein Freund hatte die einsame, eindrucksvolle Route durch einen US-Nationalpark empfohlen, wärmstens. Doch es wurde heiß, sehr viel heißer, als vorhergesagt. Die Sonne brannte erbarmungslos, die Trinkflaschen leerten sich schnell und irgendwann stellte sich die Frage: Umkehren oder weitergehen zum versprochenen, aber vielleicht noch viel zu weit entfernten Wasserfall?

Im klimatisierten Alltag des Durchschnittsstädters sind heiße Tage schlimmstenfalls lästig oder Anlass für einen Schwimmbadbesuch. Doch das Beispiel zeigt: Extremtemperaturen können mitunter rasch lebensbedrohlich werden. Allerdings nicht für jeden gleich. Denn manche Exemplare von Homo sapiens können mit Hitze weit besser umgehen als andere – sie haben andere Gene mitbekommen.

Genetische Anpassungen an Hitze

Wer etwa Wurzeln in Kenia hat, zum Hirtenvolk der Turkana, trägt womöglich eine Veränderung im Gen STC1. Die Mutation verhindert, dass die Nieren bei großer Hitze versagen, trotz des häufigen, starken Wasserverlusts in der extrem trockenen und heißen Gegend. Die Genvariante existierte in der dortigen Bevölkerung schon seit tausenden von Jahren. Überlebenswichtig wurde sie jedoch erst vor etwa 5500 Jahren, als die Region immer trockener wurde.

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Der genetisch bedingte Überlebensvorteil lässt sich sogar berechnen: Diejenigen, die die vorteilhafte Mutation tragen, bekommen fünf Prozent mehr Kinder, so das Forschungsteam im Fachblatt Science. Ein sehr starker Anpassungseffekt, der sich auch im Erbgut der halbnomadischen Daasanach im Omo-Turkana-Becken zwischen Äthiopien, Kenia und dem Südsudan nachweisen lässt.

Körperbau und Hitzeregulation

Andere Anpassungen sind subtiler und betreffen mehr Gene. So haben Menschen, deren Vorfahren lange in heißen Klimazonen lebten, längere Arme und Beine und eine schlankere Statur. Das vergrößert die Körperoberfläche im Verhältnis zur Masse, wodurch Wärme besser abgegeben wird. Zumindest besser als es die stämmigeren, kurzbeinigeren und daher Wärme eher speichernden Inuit der Arktis können.

Wie der Körper auf Hitze reagiert

Unabhängig vom Breitengrad und den Außentemperaturen versucht der menschliche Körper immer, die optimalen 37 Grad Celsius zu halten, die Homöostase. Wärmesensoren in der Haut und den Blutgefäßen alarmieren den Hypothalamus im Gehirn, der diverse Reaktionen auslöst, um die Temperatur anzupassen. Erst erweitern sich die Gefäße, vor allem in der Haut, damit das erhitzte Blut nah an die Körperoberfläche kommt und die Wärme nach außen gelangen kann: Man wird „rot“. Dann wird Schweiß produziert, eine zutiefst menschliche Spezialität, dessen Verdunstung zusätzlich kühlt.

Gewöhnung und Training

Dennoch kommen manche Menschen besser mit Hitzetagen zurecht als andere. Zum einen wegen ihrer Prägung, den Nuancen ihrer Gensequenzen. Zum anderen aber auch aufgrund von mehr oder weniger Gewöhnung an warme Tage.

Während man in den ersten Urlaubstagen noch hochrot schwitzend in der Strandbar sitzt, hat man sich nach ein, zwei Wochen „akklimatisiert“. Das heißt: Die Gene, die den Hypothalamus steuern, haben sich auf die erhöhte Temperatur eingestellt und lösen nicht mehr die volle Alarmreaktion aus. Der Körper lernt, mit der Hitzereaktion effektiver umzugehen. Zwar schwitzt man noch immer, aber der Schweiß wird dünner, es gehen dem Körper also weniger Elektrolyte verloren.

Tatsächlich lässt sich das trainieren. Wird der Körper regelmäßig aus dem klimatisierten Büro herausgewuchtet und der Wärme ausgesetzt, wird er lernen, die Hitze besser zu vertragen.

Vorsicht vor Überhitzung

Also raus an die Sonne? Unbedingt, aber in Maßen. Alles hat seine Grenzen. Übermäßige Hitze – ob nun klimawandelbedingt oder nicht – kann tödlich sein. Der Erbonkel hatte im Nationalpark Glück: Der Wasserfall kam dann doch noch rechtzeitig vor dem Hitzschlag.

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