Ukrainische Angriffe zeigen Wirkung: Russland tarnt Tanklaster als zivile Fahrzeuge
Die strategischen Angriffe der Ukraine auf russische Versorgungswege zeigen zunehmend Erfolg. Besonders auf der Krim ist Benzin inzwischen eine absolute Mangelware. Um dennoch Treibstoff auf die besetzte Halbinsel zu bringen, greifen russische Truppen offenbar zu unkonventionellen Tarnungen: Militärische Tanklastwagen werden als Milch- oder Holztransporter getarnt.
Bereits seit Wochen ist bekannt, dass Russland infolge des Ukraine-Kriegs mit Treibstoffengpässen kämpft. Ukrainische Truppen nehmen vermehrt die russische Logistik, Ölraffinerien und Versorgungsrouten unter Beschuss. Das russische Exilmedium Agentstwo berichtete am vergangenen Montag, dass an zahlreichen Tankstellen im ganzen Land Beschränkungen beim Benzinverkauf eingeführt wurden. Betroffen seien Tankstellenketten, die Versorgungsanlagen in über 70 russischen Regionen betreiben.
Auch das russische Energieministerium räumte Probleme bei der Kraftstoffversorgung ein. Via Telegram teilte die Behörde Anfang Juni mit, dass Unternehmen der Treibstoffbranche mit „vorübergehenden Schwierigkeiten bei der Kraftstoffversorgung“ konfrontiert seien.
Chaos an Tankstellen in Russland
In den sozialen Medien kursieren Videos, die chaotische Szenen an Tankstellen zeigen. Ein Zusammenschnitt zeigt eine massive Autoschlange vor einer Tankstelle auf der Autobahn zwischen Moskau und Sankt Petersburg. In einem anderen Video fragt eine junge Frau: „Weiß jemand, was in Moskau los ist? Keine einzige Tankstelle hat 100-Oktan-Benzin. Rosneft ist geschlossen. Ist etwas passiert?“ Die Videos ließen sich bislang nicht unabhängig überprüfen.
Benzin-Knappheit trifft Krim besonders hart
Besonders in den von Russland besetzten Gebieten spitzt sich die Lage zu. Auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim können Einwohner Treibstoff nur noch gegen Vorlage eines Bezugsscheins tanken. Autofahrer berichteten in sozialen Medien, dass bei Tankstellenöffnungen die Vorräte bereits nach einer Stunde aufgebraucht waren. Am 4. Juni erklärte der von Moskau eingesetzte Statthalter Sergej Aksjonow via Telegram, dass der Verkauf von Benzin gegen Barzahlung vollständig eingeschränkt und Tankgutscheine nicht mehr verfügbar seien. Zudem sei das Tanken in Kanister verboten.
Ukraine schaltet Krim-Routen aus
In den vergangenen Wochen griff die ukrainische Armee gezielt die Versorgungsrouten und wichtigen Straßenverbindungen zwischen der Krim und dem russischen Festland an. Die Halbinsel wird hauptsächlich über drei Routen und Brücken versorgt: die Armjansk-Brücke im Westen, die Tschonhar-Brücke weiter östlich und die Kertsch-Brücke im Südwesten. Da Treibstofftransporte über die Kertsch-Brücke exponiert sind, erfolgte die Versorgung zuletzt vor allem über die nördlichen Routen.
Doch auch die Tschonhar-Brücke geriet unter Beschuss, woraufhin der russische Gouverneur Chersons, Wolodymyr Saldo, zur Nutzung der Armjansk-Brücke aufrief. In der Nacht zum 11. Juni wurde schließlich auch diese Brücke angegriffen, um mit Treibstoff und Munition beladene Lastwagen auszuschalten.
Russische Armee wird erfinderisch
In sozialen Medien werden zunehmend Videos geteilt, die getarnte russische Tanklaster auf dem Weg zur Krim zeigen sollen. Die Lkw sind nicht als Tankwagen zu erkennen, sondern wurden nach Angaben der Videoverbreiter von Russlands Militär als zivile Fahrzeuge getarnt. Eine Aufnahme des estnischen Kriegsbloggers WarTranslated zeigt einen Lastwagen, der als Holztransporter getarnt ist. „Russische Besatzer tarnen militärische Tanklastwagen als zivile Holztransporter, um Treibstoff auf die Krim zu schmuggeln“, heißt es dazu. Im Video hört man den Filmenden: „Schaut euch an, was sie gemacht haben. Da ist sie, die Schönheit. Was für Clowns.“
Der Sprecher der ukrainischen Seestreitkräfte, Dmytro Pletenchuk, schilderte laut Ukrinform, dass ukrainische Truppen „sehr systematisch“ vorgehen, um die russischen Versorgungsrouten zur Krim zu unterbrechen. Die Gegner seien daher zu unkonventionellen Tarnmaßnahmen übergegangen. „Es ist mittlerweile so weit gekommen, dass sie sogar Abdeckungen über Tanklastwagen anbringen, um diese als zivile Fahrzeuge zu tarnen. Und es gibt Informationen, dass sie dafür Fahrzeuge einsetzen, die sonst Lebensmittel wie Milch transportieren“, sagte Pletenchuk in einer TV-Spendensendung.



