Nach der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens mit den USA hat der Iran neue Regeln für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erlassen. Alle Handelsschiffe müssen künftig einen Antrag auf Passage stellen. Die Gebühren werden vorerst für 60 Tage ausgesetzt, wie das Sekretariat des obersten nationalen Sicherheitsrats mitteilte.
Antragsverfahren und Sicherheitsauflagen
Die Behörde für die Meerenge des Persischen Golfs wurde angewiesen, alle Anträge zügig und vorrangig zu prüfen und zu bearbeiten. Dies diene den Zielen des bilateralen Rahmenabkommens mit den USA. Aus Sicherheitsgründen müssen sich Schiffe an zugewiesene Routen und Zeiten halten. Zudem ist im Rahmen der Vereinbarung die Räumung von Minen vorgesehen.
Erste Tanker passieren die Meerenge
Am Donnerstag haben bereits mehrere Frachtschiffe die Straße von Hormus passiert. Laut der Datenfirma Kpler verließen bis 16.30 Uhr acht Frachter den Golf durch die Meerenge. Darunter waren drei saudiarabische Öltanker mit je zwei Millionen Barrel Erdöl. Die Zahl der Durchfahrten entsprach damit dem durchschnittlichen täglichen Verkehr der vergangenen Woche, liegt aber weiterhin deutlich unter den 120 Passagen pro Tag vor Kriegsausbruch.
Reederverband: Wichtiger erster Schritt
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) bezeichnete die Entwicklung als „wichtigen ersten Schritt“, warnte jedoch: „Eine sofortige Rückkehr zum regulären Betrieb ist derzeit nicht zu erwarten.“ Entscheidend sei die Beseitigung von Risiken wie Minengefahren in den kommenden Wochen. Der VDR forderte eine „freie und ungehinderte Transitdurchfahrt“ gemäß dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen.
45 Schiffe deutscher Unternehmen sitzen fest
Laut VDR können die zahlreichen im Persischen Golf verbliebenen Handelsschiffe nicht alle gleichzeitig die Region verlassen. Es brauche eine enge internationale Abstimmung, um die schrittweise und sichere Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs zu organisieren. Rund 45 Schiffe deutscher Unternehmen sitzen derzeit in der Region fest.
Hintergrund des Rahmenabkommens
Die Präsidenten Irans und der USA, Masoud Pezeshkian und Donald Trump, hatten am Mittwochabend ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnet. In einer 60-tägigen Verhandlungsperiode sollen schwierige Fragen für das endgültige Friedensabkommen geklärt werden. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf bekräftigte seinen Willen, in dem endgültigen Abkommen Gebühren für die Durchfahrt festzuschreiben. Sein Land werde „nicht zu den Vorkriegsbedingungen zurückkehren“.
Auswirkungen auf die Ölmärkte
Durch die Straße von Hormus werden normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases transportiert. Nach der weitgehenden Blockade durch den Iran waren die Ölpreise stark gestiegen. Die Nachricht von der Unterzeichnung des Rahmenabkommens führte am Donnerstag zu Erleichterung an den Ölmärkten; der Ölpreis fiel deutlich unter 80 Dollar pro Barrel.



